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Irak Terror 32 Tote bei Anschlag im Irak

In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind bei mehreren Anschlägen mindestens 32 Menschen getötet worden. Die nächtliche Ausgangssperre sollte seit Jahren das erste Mal aufgehoben werden.

07.02.2015 19:10
Im Osten von Bagdad explodiert eine Bombe. Foto: dpa

Unmittelbar vor der geplanten Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre in Bagdad sind bei Anschlägen mindestens 32 Menschen getötet worden. Allein bei einem Selbstmordanschlag in einem Restaurant im Stadtviertel Bagdad al-Dschida im Osten der irakischen Hauptstadt seien am Samstag mindestens 23 Menschen getötet und über 40 weitere verletzt worden, teilten Vertreter von Sicherheitsbehörden und Krankenhäusern mit. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand. Bei einem weiteren Angriff in einem Geschäftsviertel im Zentrum von Bagdad wurden nach amtlichen Angaben mindestens neun Menschen getötet und 28 verletzt. Unklar blieb zunächst, ob es sich ebenfalls um einen Selbstmordanschlag oder um eine ferngezündete Bombe handelte.

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi hatte angeordnet, dass es ab Samstagabend erstmals seit Jahren keine nächtliche Ausgangssperre in Bagdad mehr geben sollte. Mit der Aufhebung des Ausgangsverbots, das zuletzt von Mitternacht bis 05.00 Uhr dauerte, soll Iraks Hauptstadt ein Stück weit zur Normalität zurückkehren.

Jesiden, eine religiöse Minderheit

Die irakische Armee und kurdische Milizen versuchen derzeit, die Kontrolle über Gebiete im Norden und Westen von Bagdad wiederzugewinnen, die von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) seit Juni eingenommen worden waren. Die Hauptstadt ist bislang nicht von größeren Dschihadisten-Angriffen bedroht, allerdings werden in Bagdad immer noch häufig Bombenanschläge verübt. Die Opfer sind meistens Schiiten oder Sicherheitskräfte.

In einem der kürzlich zurückeroberten Gebiete im Norden des Landes wurde unterdessen erneut ein Massengrab mit den Leichen von 23 Jesiden entdeckt. Das Grab sei aufgrund des Hinweises eines Bewohners in der Nähe des Dorfs Bardijan gefunden und am Freitag geöffnet worden, teilte ein Sprecher der kurdischen Regionalregierung am Samstag mit. Nach seinen Angaben waren die Opfer ausschließlich Männer; sie wurden demnach erschossen, einige von ihnen hatten die Hände gefesselt. Kurdische Peschmerga-Kämpfer hatten erst vor knapp einer Woche in der Provinz Ninive weiter südlich ein Massengrab mit rund 25 Leichen entdeckt. Nach Angaben des Regierungssprechers wird ein weiteres Massengrab mit dutzenden Leichen in der Region Hardan vermutet.

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit mit einem eigenständigen monotheistischen Glauben. Sie leben vorwiegend im Nordirak und sind mehrheitlich ethnische Kurden. Von der IS-Miliz und anderen militanten Sunniten werden sie als "Teufelsanbeter" verfolgt. Der IS hatte bei seiner Blitzoffensive im Nordirak im vergangenen Sommer tausende Jesiden getötet oder gefangen genommen. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden hunderte, wenn nicht tausende jesidische Frauen als Ehefrauen an Dschihadisten verkauft oder als Sexsklavinnen unterjocht. (afp)

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