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Irak Mindestens 65 Tote bei Anschlagsserie in Bagdad

Bei einer Serie von Bombenanschlägen in Bagdad sind mindestens 65 Menschen getötet worden, Berichten zufolge gibt es etwa 200 Verletzte. Die politischen Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten eskalieren.

22.12.2011 08:59
Nach den Bombenanschlägen weht Rauch durch Bagdad. Foto: rtr

Wenige Tage nach dem Abzug der letzten US-Truppen aus dem Irak hat die schwerste Anschlagsserie seit Monaten die Hauptstadt Bagdad erschüttert. Mindestens 65 Menschen kamen ums Leben, als mehr als ein Dutzend Bomben in elf verschiedenen Stadtteilen explodierten. Fast 200 weitere Personen wurden verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Angesichts der Vielzahl an offenbar koordinierten Explosionen wurde aber vermutet, dass Mitglieder der Terrorgruppe Al-Kaida im Irak verantwortlich sein könnten.

Die meisten Anschläge ereigneten sich in schiitischen Wohngegenden, betroffen waren aber auch einige sunnitische Viertel. Die tödlichste Explosion ereignete sich im Viertel Karrada, wo ein Selbstmordattentäter einen mit Sprengstoff gefüllten Krankenwagen vor einer Regierungsbehörde zur Korruptionsbekämpfung zur Explosion brachte, wie Polizisten vor Ort berichteten. Allein dort kamen 25 Menschen ums Leben.

Wachsende Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten

Am Wochenende waren die politischen Spannungen zwischen den Lagern der Sunniten und der Schiiten eskaliert. Der mit Haftbefehl gesuchte irakische Vizepräsident Tarik al Haschemi setzte sich am Sonntag in die halbautonome Kurdenregion ab. Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat nachdrücklich die Auslieferung des sunnitischen Politikers gefordert. Al Haschemi hat die Vorwürfe als erfunden und politisch motiviert zurückgewiesen.

Der ranghöchste sunnitische Politiker im Irak gilt als scharfer Kritiker und Rivale des schiitischen Ministerpräsidenten. Al Haschemis Parteienblock Irakija hatte am Samstag aus Protest seine Arbeit im Parlament ausgesetzt. Grund sei die Weigerung der schiitischen Regierung, die Macht zu teilen. Der Streit hat die Furcht vor einem Wiederaufflammen der religiös motivierten Gewalt im Irak zunehmen lassen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt auf die Anschlagsserie und verurteilte die Gewalt. „Wir fühlen mit den Angehörigen der Opfer, den Verletzten wünschen wir baldige Genesung“, sagte der FDP-Politiker am Donnerstag in Berlin. Die Menschen im Irak und die internationale Gemeinschaft hätten viel investiert, um den Wiederaufbau des Landes und die gesellschaftliche Versöhnung voranzubringen. „Terroristischen Kräften darf es nicht gelingen, diesen Prozess aufzuhalten“, mahnte der Minister und appellierte an „alle politischen Kräfte im Irak, das bisher Erreichte jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen“.(dapd)

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