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Interview mit Adam Roberts "Er wurde gefoltert"

Gerhard Merz, der in den missglückten Putschversuch in Äquatorialguinea verwickelt gewesen sein soll, starb im berüchtigten Black Beach Gefängnis an Schlägen.

23.06.2008 00:06
WIRECENTER
Adam Roberts ist Journalist beim "Economist" und autor des Buches "The Wonga Coup".

Herr Roberts, welche Rolle spielte der Deutsche Gerhard Merz beim missglückten Putschversuch in Äquatorialguinea?

Gerhard Merz war einer dieser zwielichtigen Charaktere, die drittrangige Fluggesellschaften managen, welche dubiose Fracht zwischen vergessenen Ecken der Welt hin und her fliegen. Er arbeitete für die Central Asian Logistics Gmbh in Offenbach. Er verbrachte auch einige Zeit in Israel und wurde in den 90er Jahren beschuldigt, in Waffenlieferungen verwickelt zu sein. Bei dem geplanten Staatsstreich sollte er Fluzeuge und Crews bereitstellen für das Team, das den Coup durchführen wollte. Merz brachte zwei Wochen vor dem Umsturzversuch zwei große russische Flugzeuge, eine Antonov und eine Ilyushin 76, nach Äquatorialgiunea. Simon Mann, der Manager des Coups, überwies 125 000 Dollar an die Fluggesellschaft von Merz. Er soll der Transport-Offizier der Verschwörer gewesen sein.

Wie starb Merz?

Er wurde in Äquatorialguinea verhaftet, mit anderen Anstiftern des Staatstreichs, und in das berüchtigte Black Beach Gefängnis geworfen. Alle Gefangenen wurden geschlagen, gefoltert und mit Exekution bedroht. Nach Angaben von Mitgefangenen, die ihn sterben sahen, wurde Merz entweder schlicht zu Tode geprügelt oder starb nach den Schlägen an Herzversagen. Auf jeden Fall kann man sagen, dass er getötet wurde.

War Merz auch ein Chemie-Waffenhändler?

Die US-amerikanische Regierung unter Bill Clinton klagte ihn in den 90er Jahren an, in den Transport von biologischen, chemischen oder nuklearen Material von China nach Iran verwickelt zu sein.

Waren Deutsche Behörden in den Fall verwickelt?

Ich habe keine Beweise, dass Deutsche Behörden aktiv in den Coup verwickelt waren, aber ich wäre überrascht, wenn sie nicht wenigstens gewusst haben, dass so etwas geplant wurde und ein Deutscher Staatsbürger involviert ist.

Interview: Matthias Thieme

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