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Interview Jeremy D. Mayer Trump vor dem Absprung?

Der US-Politologe Jeremy D. Mayer über den schlechten Lügner Donald Trump, die von ihm ausgelöste Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft und warum er glaubt, dass der Präsident nur auf den richtigen Moment für seinen Rücktritt wartet.

Donald Trump
Ein seltener Anblick: Donald Trump in stiller Einkehr beim Gebet. Foto: Getty

Heute ist Donald Trump ein Jahr als US-Präsident im Amt. Er begann den Tag der Vereidigung seinerzeit, wie sonst, mit einem Tweet. „Heute fängt alles an. Ich sehe euch um 11 Uhr zur Vereidigung. DIE BEWEGUNG GEHT WEITER – DIE ARBEIT BEGINNT!“, schrieb er morgens. Wir sprachen ein Jahr danach mit Jeremy D. Mayer, einem der namhaften Politologen der USA, über Trumps Twittermanie, seinen Politikstil und welche Gefahr von ihm ausgeht. Das Gespräch wurde per Skype geführt, an einem grauen Berliner Winternachmittag. Bei Mayer in der Nähe von Washington ist es morgens, als die Verbindung steht. Er hat sich viel Zeit genommen, die Atmosphäre ist entspannt. Mayer ist sehr konzentriert, er spricht lebhaft und anschaulich. Zweimal bricht die Leitung zusammen, aber auch das bringt ihn nicht aus dem Konzept. 

Herr Mayer, alle sprechen über das Enthüllungsbuch „Fire and Fury“. Wird es US-Präsident Donald Trump zu Fall bringen?
Nein, überhaupt nicht. Das Weiße Haus wird versuchen, den Autor des Buches zu diskreditieren, wo immer es geht. Der Sturm geht vorbei, da bin ich mir sicher.
 
Na gut, dann können wir ja zur ursprünglichen Einstiegsfrage übergehen: Mögen Sie Superhelden?
Entschuldigen Sie, aber wohin soll das führen?

Im Weißen Haus sitzt ein selbst ernannter Superheld, ein Genie, das auf Twitter behauptet, es habe dafür gesorgt, dass kein einziger Mensch im zivilen Flugverkehr ums Leben gekommen ist.
Das überrascht mich nicht. Solche Behauptungen sind ein Leitmotiv Trumps. Es handelt sich dabei um autoritäre Rhetorik. Trump stellt sich gerne als Heilsbringer dar. Das ist wie die Geschichte vom Hahn, der kräht, weil die Sonne aufgeht, aber davon überzeugt ist, dass die Sonne aufgeht, weil er kräht. 

Warum lügt Trump?
Er glaubt ja gar nicht, dass er lügt, wenn er so etwas behauptet. Er prahlt. Trump ist unfähig, wahr und unwahr zu unterscheiden. Das ist auch gar nicht entscheidend für ihn. Wichtig ist für ihn nur: Nutzt es mir, wenn ich das behaupte? Trump ist ein völlig anderer Lügner als zum Beispiel der frühere US-Präsident Richard Nixon. Der hat in der Watergate-Affäre seine Lügen kunstvoll gefertigt, damit sie der Wahrheit ähneln. Aber Trumps Lügen sind so augenfällig, dass jeder, der nur eine Sekunde darüber nachdenkt, sofort erkennt: Trump hat nichts mit dem zivilen Flugverkehr zu tun. 
 
Also lügt Donald Trump gar nicht mit Absicht?
Es gibt das Buch „On Bullshit“ eines Philosophen von der Universität Princeton, darin wird ein Unterschied zwischen Lügen und Bullshit gemacht ...
 
... was man wohl am besten mit Schwachsinn oder Unsinn übersetzt.
Wer das liest, erkennt: Trump ist kein kunstvoller Lügner, er ist ein Bullshitter. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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