Lade Inhalte...

Interview FDP-Verteidigungsexpertin "Brauchen zusätzliche Soldaten, die Abzug sichern"

Zusammen rein, zusammen raus: Die Bundeswehr will bis Ende 2014 gemeinsam mit USA und Nato aus Afghanistan abziehen. Nun warnt die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Elke Hoff: Ein so gefährliches und aufwändiges Manöver müsse dringend vorbereitet werden.

02.05.2012 12:21
Gemeinsam unterwegs: Soldaten der Bundeswehr und ein afghanischer Polizist. Foto: dapd

Frau Hoff, Sie waren gerade bei den deutschen Soldaten in Afghanistan. Wird dort schon viel über den Abzug gesprochen?

Natürlich wird viel darüber gesprochen, aber es gibt noch keine kohärente Abzugsstrategie. Weder bei den Deutschen noch bei den anderen Nato-Staaten. Dabei drängt die Zeit: Wenn wir tatsächlich den überwiegenden Teil der Streitkräfte bis Ende 2014 zurückgeführt haben wollen, müssen wir auf den Fall Anfang des nächsten Jahres damit beginnen.

Wo sind die Engpässe?

Wir müssen festlegen, in welcher Reihenfolge wer wo Kapazitäten abbaut. Das ist ein Thema für den Nato-Gipfel Ende Mai in Chicago, wo auf jeden Fall die Eckpunkte festgelegt werden müssen. Und dann müssen wir die logistischen Voraussetzungen schaffen.

Was bedeutet das?

Es geht um die Rückverlegung von vielen Tausenden von Soldaten und vielen Tonnen von Material. Wir müssen sicherstellen, dass wir genügend Flugzeuge und genügend Kapazitäten zum Umschlagen der Transporte auf Flughäfen in der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Usbekistan haben. Und dann wird die Frage sein, wie viele Landtransporte wir durchführen müssen.

Man muss also rechtzeitig das Umzugsunternehmen buchen?

Ja. Einen Teil wird man sicher mit eigenen Kräften leisten müssen, wie das zum Beispiel die Amerikaner größtenteils tun. Aber viel wird über private Spediteure gehen, und die haben ja auch nur begrenzte Kapazitäten.

Was wird der Abzug kosten?

Darüber gibt es nach meiner Kenntnis noch keine Schätzungen. Auch darüber müssen wir so rasch wie möglich sprechen, denn der Rückzug muss eine sichere und belastbare Sache werden. Ich plädiere deswegen dringend dafür, ein eigenes Mandat für den Abzug aus Afghanistan zu schaffen.

Erklären Sie uns das.

Der politische Auftrag des ISAF-Mandates ist es, die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden und aufzubauen. Dieses Mandat soll bis Ende 2014 heruntergefahren werden, bis nur noch eine kleine Trainingsmission übrigbleibt. Aber während die ISAF-Truppen heruntergefahren werden, brauchen wir zusätzliche Soldaten, die den Abzug sichern.

Ist die Rückverlegung so gefährlich?

Ja, natürlich. Wenn Sie über Land abtransportieren, werden Sie verwundbar. Für alle Nationen gilt, dass sie für den Abzug Fähigkeiten brauchen wie Konvoi-Schutz, Luftnah-Unterstützung, Sanitäter oder Evakuierungsoptionen. Das ist eine wichtige, eigene Operation, die richtig vorbereitet werden muss.

Wie viele Soldaten sollte denn das Abzugs-Mandat vorsehen?

Wir haben das Beispiel der Niederländer, die 2010 aus Afghanistan abgezogen sind. Die haben für die Rückverlegung von 2000 Soldaten 600 bis 800 Kräfte gebraucht. Wenn man das hochrechnet auf uns…

… mit derzeit 4800 Soldaten am Hindukusch…

kann man sich vorstellen, was dahintersteckt. Deswegen werbe ich für ein eigenes Abzugsmandat. Ich habe das auch schon mit Minister de Maiziere besprochen, der dem nicht abgeneigt gegenüber steht.

Sollte Francois Hollande die französische Präsidentschaftswahl gewinnen, will er das französische Kontingent so schnell wie möglich aus Afghanistan abziehen. Ist das überhaupt möglich?

Solche Vorschläge tragen nicht dazu bei, die schwierigste und anspruchsvollste Mission, die die Nato jemals hatte, zu einem gelungenen Ende zu führen. Er geht auf den Buckel der verbleibenden Soldaten, die dann die Lücken füllen müssen.

Interview: Bettina Vestring

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen