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Interview „Drei Cent pro Kilowattstunde sagen nicht dieWahrheit“

Energieexperte Matthes über die Kosten für Strom und wann er für die Verbraucher teurer wird.

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Die Strompreise werden steigen. Foto: Imago

Herr Matthes, warum werden die Strompreise demnächst steigen?
Weil der Preis für CO2-Emissionszertifikate, die Betreiber von Gas- und Kohlekraftwerken kaufen müssen, deutlich gestiegen ist. Das kommt bei den Normalkunden aber nur sehr stark abgedämpft an, weil mit höheren CO2-Preisen und höheren Großhandelspreisen an der Strombörse auch die EEG-Umlage stark entlastet wird, die jeder private Stromkunde zahlen muss. Denn mit dieser Umlage wird die Differenz zwischen dem Marktpreis für Strom und dem garantierten Einspeisepreis für erneuerbare Energien finanziert. Deshalb kommen beim Kunden nur 40 Prozent von den Preissteigerungen an der Strombörse an.

Das Öko-Institut und andere Umweltschützer haben jahrelang für höhere CO2-Preise geworben. Fürchten Sie nun die Wut der Verbraucher?
Erst einmal muss man sagen, dass es nirgendwo auf der Welt ein Stromversorgungssystem gibt, das bei einem Strompreis für rund drei Cent pro Kilowattstunde seine vollen Kosten decken kann. Das war noch Anfang des Jahres der hiesige Preis an der Strombörse. Irgendwie müssen nicht nur die Brennstoff- und CO2-Kosten sondern auch einmal Investitionen in das System bezahlt werden.

Warum hatten wir denn dann mehrere Jahre die Großhandelspreise von drei Cent?
Weil wir ein Stromsystem haben, in dessen altem Teil – vornehmlich Kohle- und Atomkraftwerke – die Investitionen und das Abbezahlen der Investitionen noch zu Monopolzeiten geschah, durch Otto-Normalkunde. Das hat es ermöglicht, dass die konventionellen Erzeugungsanlagen in der jüngeren Vergangenheit extrem billigen Strom an der Börse anbieten konnten. Wir kommen aber jetzt in eine Phase, in der wir wieder investieren müssen. Die Erneuerbaren kosten dabei heute gleich viel oder sind sogar billiger als ein konventionelles System, wenn neu investiert werden müsste. Auf der Großhandelsebene werden wir dauerhaft sechs Cent pro Kilowattstunde zahlen müssen, egal wie der Strom erzeugt wird. Die drei Cent sagen gewissermaßen nicht die Wahrheit. Sie decken nicht die kompletten Kosten. Und wenn man aus der EEG-Umlage die Kosten herausrechnet, die wir für die Kostensenkungen der Vergangenheit aufgewendet haben, dann bleibt eine sehr angemessene Investitionsvergütung.

Wann werden Stadtwerke und andere Versorgungsunternehmen die Preise erhöhen?
Entweder schon in diesem oder im nächsten Jahr. Das hängt davon ab, welche Stromlieferverträge die Unternehmen abgeschlossen haben, die in der Regel über mehrere Jahre laufen. Womöglich kommt der große Schub sogar erst im übernächsten Jahr.

Wie können Kunden reagieren?
Einige Unternehmen werden – wie schon in der Vergangenheit gesehen – bei den Grundversorgertarifen kräftige Aufschläge verlangen. Es liegt in der Hand eines jeden, einen Preisvergleich zu machen und dann gegebenenfalls den Stromanbieter zu wechseln. Das Angebot ist groß. Da kann man schon eine Menge Geld sparen.

Können Sie heute schon Prognosen über den Strompreis für die Jahre 2025 bis 2030 machen?
Da kann man nur spekulieren. Die Großhandelspreise werden im Moment noch über den Preis für Steinkohle und CO2 getrieben. Bei Letzterem wissen wir nicht, ob sich nach erheblichen Aufschlägen ein dauerhaft hohes Preisniveau hält. Beim Steinkohlepreis spielt die Nachfrage aus China und der Euro-Dollar-Wechselkurs die entscheidende Rolle. Das wird bis etwa zum Jahr 2025 so bleiben. Daneben wird es aber auch eine Diskussion über die erheblichen Abgaben und Steuern geben, die für den Strombezug gezahlt werden müssen. Ich plädiere da unter anderem dafür, die Stromsteuer abzuschaffen.

Und welche Rolle wird der Ausbau der Erneuerbaren bei all dem spielen?
Der Ausbau der Erneuerbaren drückt den Großhandelsstrompreis, weil dadurch das Angebot an elektrischer Energie gesteigert wird. Das kann man tagtäglich studieren: Immer wenn die Sonne scheint und der Wind richtig weht, geht der Großhandelspreis ordentlich runter.

Interview: Frank-Thomas Wenzel

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