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Internet-Nutzung in Deutschland Digitaler Stillstand

In fast allen Gegenden Deutschlands sind inzwischen schnelle Verbindungen möglich. Dennoch stagniert die Zahl der Nutzer. Offenbar sind es nicht nur die technischen Hürden allein, die viele Menschen abschrecken

23.04.2013 17:34
Marin Majica
Außenstehende Internet-Skeptiker sind eher weiblich, im Schnitt 63 Jahre alt und machen laut D21 rund 30 Prozent aus. Zu den passionierten Onlinern hingegen werden rund 15 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren gezählt.

In fast allen Gegenden Deutschlands sind inzwischen schnelle Verbindungen möglich. Dennoch stagniert die Zahl der Nutzer. Offenbar sind es nicht nur die technischen Hürden allein, die viele Menschen abschrecken

Deutschland nähert sich dem Stillstand. Dieser Befund gilt zumindest für die Nutzung des Internets, das auch von der Politik regelmäßig als Zukunftstechnologie gepriesen wird. 76,5 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung über 14 Jahre gehen regelmäßig ins Netz, das sind 53,7 Millionen Menschen. Doch während dieser Wert in den vergangenen Jahren stetig zugelegt hat, liegt das Wachstum 2013 nur bei 0,9 Prozent. Schon im Vorjahr lag er so niedrig und es gibt kaum Indizien dafür, dass sich daran bald etwas ändern wird. Verweigert sich Deutschland der Zukunft?

Zu diesem Schluss können die aktuellen Ergebnisse der Studie „(N)Onliner-Atlas“ verleiten. Hierfür befragt die Initiative D21 zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest seit 2001 jedes Jahr Zehntausende Deutsche. Was sich immer deutlicher abzeichnet: Es gibt rund 16,5 Millionen Deutsche, die mit dem Internet nichts zu tun haben wollen, und diese „überzeugten Offliner“ werden daran wohl auch nichts mehr ändern. Der Kern der Ablehnung verhärtet sich. „Nicht einmal jede zweite Frau über 50 nutzt das Internet“, sagt Robert A. Wieland, Vizepräsident der Initiative D21 und Geschäftsführer von TNS Infratest. Gerade in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen hat die Studie zwar die höchsten Zuwachsraten gemessen (plus 3,3 Prozent). Doch das liegt daran, dass jüngere Altersstufen schon weitgehend im Netz sind, bei den Älteren überhaupt nur etwa jeder Dritte. Der typische Internet-Verweigerer, in der D21-Studie „Außenstehender Skeptiker“ genannt, ist im Durchschnitt 63 Jahre alt, eher weiblich, nicht mehr berufstätig und hat eine geringe Schulbildung.

Berlin hat die meisten Breitbandnutzer

Die technische Verfügbarkeit war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Grund für das Offline-Bleiben. Doch der Ausbau der Breitbandanschlüsse über Kabel schreitet voran, vor allem in Großstädten sind schnelle Anschlüsse fast überall verfügbar. Das Land Berlin hat mit 62,9 Prozent den höchsten Anteil der Breitbandnutzer, im Bundesdurchschnitt gehen 58,3 Prozent der Nutzer über einen solchen Anschluss ins Netz. Die Bundesnetzagentur hat kürzlich den Weg für die VDSL-Übertragungstechnik Vectoring frei gemacht. Es ist zwar noch umstritten, ob diese Entscheidung nur der Telekom zugutekommt oder tatsächlich den Wettbewerb ankurbelt und den Breitbandausbau vorantreibt, aber die Datenübertragung soll sie schneller machen – so schnell, dass die Telekom sich vorsorglich schon mal das Recht sichert, das Datenvolumen zu begrenzen.

Seit 2011 gibt es zudem den schnellen Internetzugang über die Mobilfunktechnik LTE. Sie steht zumindest theoretisch 52 Prozent aller Haushalte zur Verfügung. Wie das in der Realität aussieht, zeigt der „Breitband-Atlas“ auf der Internetseite des Bundeswirtschaftsministeriums: Grundsätzlich ist schnelles Internet schon in fast allen Gegenden verfügbar, doch je näher man heranzoomt, desto löchriger wird die Netz-Abdeckung. Diese Löcher könnten „in absehbarer Zeit“ mit der Freigabe weiterer Funkfrequenzen für LTE gestopft werden, sagt Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Doch nicht die Technik allein ist es, die viele vor dem Internet zurückschrecken lässt. Es gebe ein diffuses Unsicherheitsgefühl, sagt Staatssekretär Otto. „Wir müssen die Sicherheitsbedenken auf den vernünftigen Kern reduzieren.“

Auch TNS-Chef Wieland bestätigt, dass Datenschutzbedenken und Sorgen um die Sicherheit bestimmend sind für viele, die das Internet ablehnen. Es gebe aber auch strukturelle Faktoren über die Abdeckung mit Glasfaserkabeln und Handyfunkmasten hinaus. Neben der Liste mit der faktischen Nutzung ermittelt D21 neuerdings auch den Digital-Index. Der zeigt, wie kompetent und abwechslungsreich die Internetnutzung ist. In beiden Rankings belegen – Berlin ausgenommen – die ostdeutschen Bundesländer die hinteren Plätze, mit Sachsen-Anhalt als Schlusslicht. Hier haben nur 48,9 Prozent der Internetnutzer einen DSL-Anschluss, der Digital-Index liegt mit 40,5 Punkten weit unter dem Durchschnitt (51,2 Punkte). Überalterung in ländlichen Gebieten und Arbeitslosigkeit sorgen in den neuen Bundesländern häufig dafür, dass die Scheu vor dem Internet noch größer als etwa im Saarland ist.

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