Lade Inhalte...

Internationale Beziehungen Merkel setzt auf Japan

Was macht Bundeskanzlerin Angela Merkel, nachdem sie von Donald Trump so kühl empfangen wurde? Sie schwenkt um - und betont die Freundschaft zu Tokio.

CeBIT Computing Trade Fair, Hannover, Germany - 20 Mar 2017
Angela Merkel und Shinzo Abe auf der Cebit 2017. Foto: EPA

Angela Merkel hat nicht Twitter gewählt, um ihr erstes Treffen mit US-Präsident Donald Trump zu verarbeiten. Sie hat den japanischen Präsidenten getroffen. Japan ist Gastland der Computermesse Cebit, die in Hannover an diesem Wochenende eröffnet wurde. Es war eine passende Möglichkeit, Trump indirekt etwas entgegenzusetzen, etwas eleganter als der US-Präsident, der Merkel nach ihrer Abreise via Twitter hinterher maulte, Deutschland gebe zu wenig Geld für Verteidigung aus.

Ausdrücklich betonte Merkel am Montag bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Shinzo Abe in Hannover, die „vielen gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Grundlagen“ und schob ein Thema in den Vordergrund, bei dem es mit der neuen US-Regierung mit die größten Differenzen gibt: den Freihandel. In einer digitalisierten Welt sei es wichtig, dass nicht nur Dinge miteinander vernetzt würden, sondern auch die Staaten miteinander kooperierten. „Das bedeutet Freihandel ohne Barrieren“, sagte Merkel fröhlich. Jedenfalls werde man das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan mit aller Kraft unterstützen.

Eine gemeinsame Erklärung der G20-Finanzminister wäre am Wochenende fast am Widerstand der USA beim Thema Freihandel gescheitert. Trump beschwert sich, die USA würden in der Handelspolitik von seinen Partnern „sehr sehr unfair behandelt“ und hat nicht nur das zwischen EU und den USA geplante Freihandelsabkommen TTIP gestoppt, sondern erwägt auch die Einführung von Strafzöllen.

Überhaupt die EU, die Trump ja als nicht überlebensfähig bezeichnet hat: Japan habe „ein immenses Interesse an einer starken, kräftigen EU“, sagte Merkel. Ein Adressat dieses Satzes sitzt im Weißen Haus.

Und auch einen Superlativ hatte Merkel parat: 118 japanische Firmen seien auf der Cebit vertreten, damit gebe es den größten Ausstellungstand eines Landes in der Geschichte der Messe.

Es lassen sich auch die Bilder vergleichen: Freundlich begrüßen sich in Hannover Angela Merkel und Shinzo Abe, beide legen die Hände auf die Oberarme des anderen. Von Trump gab es zur Begrüßung einen Handschlag mit Merkel. Ein weiterer – in seinem Büro im Weißen Haus – fand entgegen der Gepflogenheiten, und obwohl Fotografen wie Kanzlerin nachfragten, nicht statt. Abe hatte mit Trump bei seinem Besuch eine andere Erfahrung: Der US-Präsident ließ die Hand des Japaners einfach nicht mehr los.

„Lieber Shinzo“, nannte Merkel ihren japanischen Kollegen, den sie allerdings auch schon ein paar Jahre länger kennt. „Sehr geehrter Herr Präsident“, war die deutlich förmlichere öffentliche Anrede für Trump, bei dem die Kanzlerin sehr geschäftsmäßig blieb.

Bei der Cebit dagegen erinnerte Merkel an den ersten tragbaren Computer, der 1986 von Japan präsentiert worden sei, ergänzte, mit einem Gewicht von 8,5 Kilo sei der „eher ein Schlepptop als ein Laptop“ gewesen. Und amüsierte sich, dass die Japanisch-Übersetzer bei diesem Wortspiel nun wohl ihre Mühe haben dürften.

Vor dem Besuch beim US-Präsidenten hatte Merkel mit ihrer Politik der diplomatischen Nadelstiche begonnen: Sie telefonierte mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jingping und ließ mitteilen, man habe bekräftigt, „sich gemeinsam für freien Handel und offene Märkte einzusetzen“.

US-Präsident Trump hat im Übrigen auch getwittert, dass das Treffen mit Merkel großartig verlaufen sei – großartig in Großbuchstaben. Seinen Hinweis auf die zu geringen Verteidigungsausgaben wies Merkel beim Treffen mit Abe klar zurück. Und der japanische Ministerpräsident, mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, stimmte ein.

„Wir sind ein sehr sehr mächtiges Land. Wir sind ein starkes Land“, hat Trump beim Treffen mit der Kanzlerin erklärt. Die gab zu bedenken, die Menschen seien unterschiedlich. Diese Vielfalt sei auch Freude und Ansporn. Zum Beispiel wohl dafür, einen schwierigen Verhandlungspartner durch Allianzen mit anderen zu umgehen oder einzuhegen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum