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Integration Forscher warnt vor Ausgrenzung junger Muslime

Integrationsforscher Haci Halil Uslucan warnt vor den Folgen der Ausgrenzung von Muslimen in Deutschland. Die Politik sende widersprüchliche Signale an die junge Generation.

11.04.2018 14:45
CSU Vorstandssitzung
Politiker Horst Seehofer: wer gehört dazu, wer nicht? Foto: Peter Kneffel (dpa)

Integrationsforscher Haci Halil Uslucan warnt vor den Folgen der derzeitigen Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland insbesondere auf die jüngere Generation mit Migrationshintergrund. An sie werde ein widersprüchliches Signal gesendet, sagte der Essener Forscher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Man erwarte von ihnen, sich zu integrieren. Gleichzeitig grenze man sie mit Sätzen wie „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ aus. „Das ist psychologisch vollkommen widersinnig“, sagte Uslucan.

Der Professor am Zentrum für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen sagte, dass sich in Studien die Auswirkungen insbesondere auf die Kinder und Enkel früherer Einwanderer zeige. „Die Fokussierung der Integrationsdebatte auf Türken, Türkeistämmige und Muslime schafft Skepsis bei denen, die hier geboren und aufgewachsen sind“, erklärte er.

Sie hätten Gleichheitsgrundsätze verinnerlicht. Umso ungehaltener reagierten sie, wenn zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden werde: „Sie wollen, dass der Mehmet das bekommt, was auch dem Sebastian zusteht“, sagte Uslucan, der Mitglied im Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration ist.

Dass die jüngere Generation aufbegehre, sei bereits ein Anzeichen, wie zugehörig sich die Jüngeren zu Deutschland fühlten. „Die erste Generation ist auf durchaus ausgrenzende Rhetorik der Politik gar nicht eingegangen“, sagte der Forscher.

Uslucan warnte zugleich davor, die Rolle der Religion bei der Integration zu überschätzen. Repräsentative Umfragen des Sachverständigenrats hätten ergeben, dass die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft vor allem am festen Arbeitsplatz und an der Staatsangehörigkeit bemessen werde. Fragen von Religiosität oder kultureller Herkunft seien nachrangig. Im Bildungsbereich zeige sich dagegen deutlich, dass die ökonomische Situation der Eltern entscheidender für Erfolge in Schule und Beruf ist als die Religionszugehörigkeit.

Die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angekündigte Fortsetzung des Dialogs zwischen Staat und Muslimen in der Deutschen Islamkonferenz begrüßte Uslucan und forderte einen „fairen und angemessenen Austausch“. Es sei richtig, zu überlegen, wie man deutsche Moschee-Gemeinden von der Finanzierung aus dem Ausland entkoppelt. Man müsse aber auch prüfen, was man von den Verbänden verlangen kann. Uslucan regte an, zu prüfen, „welche Aufgaben auch über eine staatliche Finanzierung aufgefangen werden könnten“.

Die neue Islam-Debatte hatte Innenminister Seehofer mit dem Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ ausgelöst. Gleichzeitig sagte er, die hier lebenden Muslime gehörten zu Deutschland. (epd) 

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