Lade Inhalte...

„Inside AfD. Der Bericht einer Aussteigerin“ „Sie ist gefährlich, sehr gefährlich“

Der frühere AfD-Jungstar Franziska Schreiber hat ein Buch über die Partei geschrieben. Es sind die Innenansichten einer Abtrünnigen und einst engen Vertrauten von Frauke Petry.

Plakat gegen AfD-Demo in Berlin
Der Extremismus der Partei beunruhigt nicht nur Autorin Schreiber. Foto: epd

„No one stays the same“, steht in großen Lettern auf dem T-Shirt von Franziska Schreiber. Man darf davon ausgehen, dass die junge Frau es sorgfältig ausgewählt hat für diesen Auftritt vor der Hauptstadtpresse in Berlin. Er ist sehr kurzfristig angesetzt worden, das ist eher ungewöhnlich, aber ihr Buch „Inside AfD. Der Bericht einer Aussteigerin“ ist es ja auch. Es ist vor wenigen Tagen erschienen und die Abrechnung von einer, die eine steile Karriere in der AfD gemacht hat, ehe sie kurz vor der Bundestagswahl im vergangenen September austrat, weil ihr die Partei zu weit nach rechts gerückt war. Einen Tag nach der Wahl verließ auch ihre enge Vertraute Frauke Petry die AfD, damals noch eine der beiden Bundesvorsitzenden.

Schreibers Buch ist die erste Innenansicht einer AfD-Abtrünnigen und hat schon deshalb das Zeug, Aufmerksamkeit zu erregen. Sie schildert, wie sie 2013 zur AfD von Bernd Lucke kam und es rasch zur Vorsitzenden der Jugendorganisation Junge Alternative in Sachsen und zur engen Vertrauten von Petry brachte, wie sie später in den Bundesvorstand aufstieg – und sich immer weiter radikalisierte. Nicht alles, was sie schreibt, ist überzeugend. Sie geht aber auch mit sich selbst scharf ins Gericht und gibt zu, dass sie mit perfiden Methoden dazu beigetragen hat, die AfD erfolgreich zu machen. Sie warnt davor, die AfD zu unterschätzen. „Sie ist gefährlich, sehr gefährlich.“

Auszüge des Buchs sorgten schon für Schlagzeilen, ehe es überhaupt in die Buchhandlungen kam. Schreiber berichtet nämlich von mehreren Treffen Frauke Petrys mit dem Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, im Jahr 2015. Dabei soll der Behördenchef Petry nahegelegt haben, ein Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke, den Kopf des völkischen Flügels der Partei, anzustrengen, um einer Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz zu entgehen.

Maaßen und seine Kontakte zur AfD

„Tatsächlich trafen sich die beiden mehrfach, sie sprach in meiner Gegenwart sehr wohlwollend von den Zusammenkünften und von ihm“, schreibt Schreiber. „Die beiden scheinen so etwas wie Sympathie füreinander entwickelt zu haben.“ Petry habe ihr persönlich von Maaßens Vorschlägen berichtet. Wie brisant diese Behauptung ist, war ihr vielleicht selbst nicht ganz klar. Maaßen dementierte prompt, dass er Petry Ratschläge für den Umgang mit Höcke gegeben habe – allerdings nicht, dass die Treffen überhaupt stattgefunden haben. Petry wiederum bezeichnete die Aussagen als „frei erfunden“.

Schreiber bleibt bei ihrer Darstellung und hat unterdessen auch eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, die sie bei ihrem Auftritt am Mittwoch in Berlin verliest. Sie versichert, ihre Aussagen nach bestem Wissen und Gewissen gemacht zu haben, räumt aber ein, dass die Darstellung auf ihrer persönlichen Wahrnehmung beruhe. Zeugen für die Gespräche gebe es keine, sagt sie auf Nachfrage. Brisant ist der letzte Satz der Erklärung: „Außerdem versichere ich, dass Frauke Petry mir gegenüber mehrfach erwähnte, dass die AfD Glück habe, mit Hans-Georg Maaßen jemanden als Chef des Verfassungsschutzes zu haben, der der Partei wohlgesonnen sei und daher eine Beobachtung vermeiden wolle, und dass man diesen Vorteil nicht verspielen dürfe.“ Es ist kein Geheimnis, dass Maaßen ein Kritiker der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel ist und im Gegensatz zu einigen Landesverfassungsschutzämtern eine Beobachtung der AfD ablehnt.

Schreiber möchte ihr Buch als Warnung verstanden wissen

Auch ihr Verleger Christian Strasser stellt sich schützend vor die Autorin, er ist eigens angereist. „Ich glaube Franziska Schreiber“, sagt er, und dass das Buch keine Lügen enthalte. Strassers Europa Verlag beruft sich auf eine ehrenwerte Tradition. Der Schweizer Buchhändler Emil Oprecht gründete ihn 1933 in Zürich, um von den Nationalsozialisten verfolgten Autoren eine Stimme zu geben. Sein Leitmotiv war, „in humanistischer Gesinnung und europäischem Geist“ zu handeln – ein Motto, dem sich auch Strasser verpflichtet fühlt. „Franziska Schreiber hat mich überzeugt“, sagt Strasser noch.

Seine Autorin, heute 28 Jahre alt, macht klar, dass sie mit sich im Reinen sei und dass es ihr seit ihrem Austritt viel besser gehe. Ihr Buch möchte sie als Warnung verstanden wissen und sie hofft, damit auch gemäßigte AfD-Anhänger zu erreichen und deren Zweifel am Rechtskurs der Partei zu verstärken. Ihre Botschaft an sie lautet: „Man kann immer und überall austreten und sagen, dass man einen Fehler gemacht hat.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen