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"Innocence in Danger" Verfolgte Unschuld

Stephanie zu Guttenbergs Kinderschutz-Verein wird auch von Transparency Deutschland kritisiert. Als Reaktion auf wachsende Kritik kündigte Guttenberg allerdings mehr Transparenz an.

01.12.2010 19:07
Matthias Thieme
Im Scheinwerferlicht: die Freifrau. Foto: dpa

Stephanie zu Guttenbergs Verein gegen Kindesmissbrauch im Internet, „Innocence in Danger“, hat der FR am Mittwoch keine Antwort auf Fragen zur Höhe der eingenommenen Spenden und zur konkreten Verwendung der Mittel gegeben. Als Reaktion auf wachsende Kritik äußerte sich Guttenberg allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur dapd und der FAZ und kündigte mehr Transparenz an. Sie sagte, offensichtlich sei der Bedarf an Offenlegung von Zahlen so groß, dass dem künftig nachgekommen werde.

Zu Guttenberg bezifferte das Spendenaufkommen in diesem Jahr auf 200.000 Euro bis Oktober. Die 500.000 Euro, die sie beim TV-Quiz „Wer wird Millionär?“ erspielte, seien noch nicht überwiesen, sagte der Verein der FAZ. 2009 habe man eine Spendensumme von 270.173 Euro eingenommen. Zusätzlich habe man von „Aktion Mensch“ 74.962 Euro und von der Auerbachstiftung 30.000 Euro erhalten. Wohin die Spenden fließen, hat der Verein indes immer noch nicht schlüssig erklärt.

Zugeknöpfte Haltung

Das öffentliche Interesse an den Finanzen des Vereins hängt auch mit der Person Stephanie zu Guttenberg zusammen, die erkleckliche Spenden sammelt. So wurde die Minister-Gattin laut Presseberichten im März beim Benefizempfang der Frauenunion in der Grafenrheinfelder Kulturhalle begeistert gefeiert. Es seien 5500 Euro zusammengekommen, plus Spenden, die per Überweisung direkt an Innocence gingen, berichtete die Mainpost. „Ich komme wieder“, habe zu Guttenberg den Spenderinnen gesagt.

Ende September sammelte die Freifrau im Prototyp-Automuseum in Hamburgs Hafencity bei einer exklusiven Party rund 55.000 Euro ein, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Auch am Erlös der Benefizgala „A Helping Hand“ in Mannheim (Gourmetkarten ab 299 Euro) ist Innocence beteiligt.

Das intransparente Finanzgebaren von „Innocence in Danger“ war zunehmend von Experten beanstandet worden. „Wir würden dem Verein empfehlen, sich der ,Initiative Transparente Zivilgesellschaft‘ anzuschließen und so schnell wie möglich den dort aufgeführten Transparenzanforderungen zu entsprechen“, sagte Christian Humborg, Geschäftsführer der Anti-Korruptions-Organisation Transparency.

Die dort aufgestellten Regeln schreiben eine nachvollziehbare Veröffentlichung der Einnahmen und der Mittelverwendung von gemeinnützigen Organisationen vor. Getragen wird die Initiative Transparente Zivilgesellschaft von einem breiten Trägerkreis anerkannter Einrichtungen, etwa dem Bundesverband deutscher Stiftungen, dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen DZI, dem Fundraising Verband und dem Deutschen Spendenrat.

Auch in der Kinderschutz-Szene monierte man die intransparente Haltung von Guttenbergs Kinderschutzverein. Für den Kinderschutzverein Zartbitter sei es eine Selbstverständlichkeit, auf Nachfrage Finanzzahlen zu nennen. Man bekomme 100000 bis 150.000 Euro Spenden pro Jahr, sagte Geschäftsführerin Ursula Enders sofort auf Nachfrage, zudem etwa 265.000 Euro öffentliche Fördermittel.

"Reißerische TV-Sendung"

„Für uns ist es selbstverständlich, im Jahresbericht unsere Zahlen offenzulegen“, sagte Iris Hölling, Geschäftsführerin von Wildwasser Berlin. Wer Spenden einnehme und Fördermittel beantrage, müsse bis auf den letzten Cent nachweisen, wofür die Mittel verwendet wurden. „Wir legen selbstverständlich dem DZI alle unsere Unterlagen offen“, sagte die Geschäftsführerin des Vereins Dunkelziffer, Vera Falck. Von der reißerischen Aufmachung der TV-Sendung „Tatort Internet“, die unter Mitwirkung von Guttenbergs Verein Innocence in Danger entstand, distanziere man sich ausdrücklich.

Das sieht auch die Bundesjustizministerin so: „Ich mahne zu großer Vorsicht bei reißerischen Sendungen mit Prangerwirkung wie etwa der RTL-2-Reihe ,Tatort Internet‘“, sagte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) am Mittwoch der FR. „Es darf gerade bei einem Thema wie Kindesmissbrauch nicht der Eindruck entstehen, als gehe es mehr um die Quote als um Aufklärung.“ Ungerechtfertigte mediale Vorverurteilungen könnten in einem rechtsstaatlichen Verfahren nicht mehr rückgängig gemacht werden, warnte die Ministerin. „Die strafrechtliche Verfolgung von Kindesmissbrauch ist allein Aufgabe des Staates.“

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