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Inlands-Geheimdienst Verfassungsschutz warnt vor Islamisten-Nachwuchs

Gefahren gingen auch von Familien in Deutschland aus, die nicht in Kampfgebiete gereist seien, warnt der Verfassungsschutz.

Hans-Georg Maaßen
Hans-Georg Maaßen hatte bereits im Dezember vor heimkehrenden Frauen und Kindern von Kämpfern der Terrormiliz IS gewarnt. Foto: imago

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat erneut vor Kindern gewarnt, die in Deutschland in islamistischen Familien aufwachsen. Sie stellten „ein nicht unerhebliches Gefährdungspotenzial“ dar, heißt es in einer neuen Analyse des Bundesamtes, die am Montag öffentlich wurde. Es gebe Anzeichen für eine „schnellere, frühere und wahrscheinlichere Radikalisierung von Minderjährigen und jungen Erwachsenen“. Im Dezember hatte Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen bereits vor heimkehrenden Frauen und Kindern von Kämpfern der Terrormiliz IS gewarnt, die von ihren Männern und Vätern in Syrien oder im Irak zurück nach Deutschland geschickt werden.

In der Verfassungsschutz-Analyse steht, Gefahren gingen auch von Familien in Deutschland aus, die nicht in Kampfgebiete gereist seien. Der Inlandsgeheimdienst rechnet demnach mit einer niedrigen dreistelligen Zahl islamistischer Familien mit mehreren Hundert Kindern. Zu den Minderjährigen und jungen Erwachsenen zählten alle Altersgruppen bis 25 Jahre. Das Gros der Minderjährigen, bei denen das Alter bekannt sei, sei jünger als acht Jahre. Darum würden die von außen erkennbaren Auswirkungen einer dschihadistischen Sozialisation wahrscheinlich erst in einigen Jahren offensichtlich werden. Es sei im Übrigen davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl von Minderjährigen höher sei, da diesbezügliche Informationen beim Verfassungsschutz lediglich als Randerkenntnisse anfielen und nicht explizit erhoben würden. Lediglich ein Teil der Minderjährigen und jungen Erwachsenen sei bei den Sicherheitsbehörden selbst auffällig geworden. In Nordrhein-Westfalen wird erwogen, nach dem Vorbild Bayerns die Altersgrenze von 14 Jahren für die Überwachung durch den Verfassungsschutz fallenzulassen.

Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, bei entsprechend geprägten Kindern liege die Hemmschwelle zur Gewalt niedriger. „Die Behörden brauchen daher Instrumente, um auch traumatisierte und gewaltbereite Rückkehrer unter 14 Jahren in den Blick nehmen zu können.“ Der CDU-Sicherheitspolitiker Patrick Sensburg und der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), befürworteten dies.

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, findet das ebenfalls angebracht. „Ich halte die Forderung aufgrund der Entwicklungen seit 2014 für richtig“, sagte er der FR. „Es gibt einen größeren Trend und einen konkreten Fall, die aus meiner Sicht eine solche Forderung begründen.“

So seien seit 2014 erstmals viele Dschihadisten mit ihren Familien nach Syrien gereist, um sich dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen, erläuterte Steinberg. Zahlreiche Kinder seien dort nicht nur religiös und ideologisch geschult worden, sondern hätten auch Trainingslager durchlaufen. In den kommenden Monaten würden voraussichtlich einige dieser Kinder aus Syrien nach Deutschland zurückkommen. Ohnehin gebe es einen Trend zur Rekrutierung besonders junger Attentäter, so der Terrorismusexperte weiter. Der Deutsch-Iraker Yad A. etwa habe im November 2016 im Alter von zwölf Jahren einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen geplant. Dabei habe er im Kontakt mit IS-Unterstützern gestanden.

In der Verfassungsschutz-Analyse ist dazu eher allgemein zu lesen, „dass dieses mittel- bis langfristige Phänomen eine kontinuierliche Bearbeitung nicht nur durch die Verfassungsschutzbehörden notwendig macht“. Um möglichst früh eingreifen und Schäden – sowohl von den Minderjährigen als auch von der Gesellschaft – abwenden zu können, müssten Sicherheits- und andere Behörden sowie zivilgesellschaftliche Träger informiert und sensibilisiert werden.

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