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Industrie- und Handelskammer "Jetzt nicht auf halber Strecke stehenbleiben"

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), ist enttäuscht, dass Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz gescheitert ist.

Jan Eder, IHK Berlin Foto: ihk

Die Senatorin geht, es lebe der Senator. Oder wird es wieder eine Frau? Wer immer Nachfolger von der gescheiterten Berliner Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz wird, es muss schnell eine Lösung her: „Wir haben jede Menge Baustellen in Berlin, dafür brauchen wir schnell wieder eine kompetente Führung“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, am Sonntag der Berliner Zeitung. „Nehmen wir nur die von Frau Obernitz angeschobene Fusion der Technologiestiftung mit Berlin Partner – das kann ja jetzt nicht auf halber Strecke stehenbleiben.“

Eder hätte nichts dagegen gehabt, wenn sich von Obernitz weiter darum gekümmert hätte. Nicht zuletzt, weil sie „eine Kammerfrau“ sei. Sieben Jahre lang arbeitete sie für die IHK Berlin, acht Jahre für den Dachverband DIHK. „Ich bin enttäuscht, dass sie als Senatorin gescheitert ist und traurig darüber, dass solch ein Quereinstieg nicht funktioniert hat.“ Inhaltlich sei von Obernitz „gut unterwegs“ gewesen: „Da hatte ich nichts an ihr auszusetzen“, lobte Eder. Immerhin habe sie mit der Fusion von Berlin Partner und Technologiestiftung „etwas angeschoben, wovor sich ihr Vorgänger jahrelang gescheut hatte“. Die IHK fordert die Zusammenlegung seit vielen Jahren.

Probleme hatte die Wirtschaft dagegen wohl mit der Art des Auftretens der Sybille von Obernitz. Eder umschreibt es so: „Sie hatte offenkundig Schwierigkeiten, was das Rollenverständnis angeht.“ Soll heißen: Die Ex-Senatorin war zu forsch, zu eigenmächtig und zu wenig kommunikativ.

Vom Nachfolger an der Spitze der Senatswirtschaftsverwaltung erhofft sich Eder vor allem, dass er inhaltlich weiter den Weg geht, den von Obernitz gegangen sei. „Wir müssen uns als Wirtschaftsstandort präsentieren, der an einem Strang zieht. Seit 2005 sei die Wirtschaft Berlin „bestens unterwegs und dabei, die Wachstumslücke zu den anderen Bundesländern zu schließen“. Zwar nimmt Berlin beim jüngsten Städteranking der Initiative Soziale Marktwirtschaft unter den 16 Bundesländern weiter nur den letzten Platz ein, was vor allem mit der hohen Arbeitslosenquote zu tun hat.

Starke Wirtschaftsdynamik

Was die Wirtschaftsdynamik angeht, gehört die Hauptstadt dagegen sogar zu den Besten. So hat sich die Wirtschaftsleistung der Stadt zwischen 2008 und 2011 um 4,5 Prozent verbessert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist von Mai 2011 zu Mai 2012 um rund 40.000 gestiegen. Noch vor Hamburg hat sich Berlin als Deutschlands Gründerhauptstadt etabliert. Und auch in der Industrie geht es wieder voran, die Zahl der Jobs steigt nach dem Kahlschlag in den 90er-Jahren rasant an. „Ich denke, dass wir in zehn Jahren den Anschluss an das bundesdeutsche Niveau geschafft haben.“

Bei solch Erfolgen kann man auch wieder träumen. „Warum sollten wir uns nicht um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 bewerben“, fragt Eder. „Das würde der Stadt einen weiteren Schub geben.“

Vorher gelte es aber, weitere Hausaufgaben zu machen. Eder: „Die Verwaltung muss schlanker, die Infrastruktur verbessert werden.“ Der Flughafen sei dafür nur eines von vielen Beispielen.

Doch möglicherweise verliert Berlin nach der Wirtschaftssenatorin im kommenden Jahr auch noch den IHK-Präsidenten. Eric Schweitzer, der vor wenigen Tagen zum dritten Mal in Folge für fünf Jahre in das Amt gewählt wurde, hatte zuvor bekanntgegeben, dass er mit dem Chefposten beim Dachverband DIHK liebäugele. Ganz entschieden hat er sich dafür aber wohl doch noch nicht. Kurz nach seiner Wahl ließ der 47-Jährige anderes verlauten: „Meinen inneren Entscheidungsprozess, ob ich die DIHK-Präsidentschaft will oder nicht, habe ich noch nicht abgeschlossen.“ Er kämpfe nicht um das DIHK-Mandat. „Die Berliner Wirtschaft liegt mir am Herzen“, sagte er. Grundsätzlich sei es aber möglich, gleichzeitig die IHK Berlin und den DIHK als Präsident zu vertreten. Zumindest in Berlin bliebe er.

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