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Indonesien Muslim wird neuer Gouverneur in Jakarta

Der Wahlkampf in der indonesischen Hauptstadt stand im Zeichen heftiger religiöser Konfrontationen. Beobachter fürchten Ähnliches für die nächste Präsidentschaftswahl.

Anies Baswedan
Neurtr Gouverneur von Jakarta: Anies Baswedan Foto: rtr

Nach einem monatelangen, von heftigen Kontroversen, Rassismus und religiöser Intoleranz geprägten Wahlkampf hat am Mittwoch der muslimische Kandidat Anies Baswedan die Gouverneurswahl in Indonesiens Hauptstadt Jakarta für sich entschieden. Der bisherige Amtsinhaber, Basuki „Ahok“ Tjahaja Purnama, unterlag mit deutlichem Abstand. Das ergaben sämtliche repräsentativen „Schnellzählungen“. Disherige Gouverneur ist ein Christ chinesischer Abstammung und Symbol effektiven Regierens. Sein siegreicher Herausforderer Anies Baswedan hatte sich während eines Fulbright-Stipendiums in den USA einen Ruf als gemäßigter islamischer Gelehrter erworben, stellte aber zuletzt systematisch seine islamische Religionszugehörigkeit in den Mittelpunkt.

Said Aquil Siradji, der Vorsitzende von Indonesiens größter islamischer Organisation Nadlatul Ulama, hatte bereits vor dem Wahlgang am Mittwoch versucht, die Gräben zu überbrücken, die während des hitzigen Wahlkampf aufgerissen worden waren. „Ahok ist kein Chinese und Anies ist kein Araber. Beide sind Indonesier“, wies er die Landsleute zurecht, die Jakartas Gouverneurswahl als Beispiel für ethnische und religiöse Spannungen in dem Land mit den meisten islamischen Bewohnern der Welt betrachteten.

Anies Baswedan, ein früherer Erziehungsminister, hatte von dogmatischen und extremistischen Gruppierungen bis zu gemäßigteren Organisationen das gesamte islamische Wählerpotential adressiert und gilt seinen Gegnern deshalb als Symbol für den wachsenden Einfluss eines von Saudi-Arabien geprägten und geförderten Islam in Indonesien.

Ahok, der bis 2014 unter dem heutigen Präsidenten Joko Widodo als Vize-Gouverneur amtierte und seit damals den Posten verwaltete, wurde wegen angeblicher Blasphemie vor Gericht gezerrt. Er hatte Politiker kritisiert, die mit Verweis auf den Koran behauptet hatten, Muslime dürften sich nicht von „Ungläubigen“ regieren lassen.

Gegenkandidat droht Prozess

Außerdem hatte Ahok deutlich gemacht, dass für ihn nur Vertreter des „Islam Nusantara“, des toleranten Islam indonesischer Prägung als Dialogpartner akzeptabel seien. Sein Partner Djarot Sauful Hidayat, der aus Java stammende Kandidat für den Vize-Gouverneursposten, wurde prompt erst am Wochenende aus einer Moschee geworfen. Am Ende der Wahl setzten sich die konservativen und gegenüber Veränderungen skeptischen Wähler durch. Anies Baswedan trat zudem für die Gerindra-Partei an, deren Spitzenkandidat bei der letzten Präsidentschaftswahl gegen Joko Widodo verloren hatte.

Beobachter sind überzeugt, dass die Gouverneurswahl von Jakarta als Vorlage für den nächsten Präsidentschaftswahlkampf dienen wird. Vor den Konsequenzen warnen bisher nur wenige Indonesier. „Wir sollten uns die Krisen in anderen Ländern zu Herzen nehmen“, mahnt etwa Airlangga Pribadi Kusman von der Airlangga Universität in Surabaya, „religiöser und ethnischer Hass hat schon viele Gesellschaften zerstört.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Indonesien

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