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Indien Später Aufruhr nach Vergewaltigung

Indien hat die brutale Ermordung einer achtjährigen Muslimin in Kaschmir lange Zeit ignoriert.

Indien
Monate nach dem Verbrechen regt sich nun Protest. Foto: afp

Drei lange Monate dauerte es, bis Indiens Öffentlichkeit endlich einen der grausamsten Vergewaltigungsmorde des Landes zur Kenntnis nahm. Der offensichtliche Grund: Das Opfer, die achtjährige Asifa, gehörte zum Nomadenstamm der muslimischen Bakerwal. Die Täter hingegen waren acht hinduistische Inder, darunter ein Polizist, die auf Anordnung des früheren Regierungsbeamten Sanji Ram handelten. Asifa wurde entführt, in einem Viehstall festgehalten und mehrfach vergewaltigt, bevor ihre Mörder sie schließlich erschlugen und nahe einem Bach die Leiche in einen Wald warfen. Der Polizist Anand Dutta, der den Mord untersuchen sollte, kassierte 6000 US-Dollar Bestechungsgeld und ließ die Wäsche des Opfers waschen, um Spuren zu beseitigen.

„Die Wahrheit in Kaschmir wurde als schlecht für die nationale Sicherheit betrachtet“, schrieb Shekar Gupta, einer der bekanntesten Journalisten Indiens, über die Berichterstattung in der Unruheregion, in der die überwiegend islamische Bevölkerung sich seit Jahrzehnten gegen die Kontrolle durch Delhi wehrt, Der Intellektuelle Pratab Bhanu Mehta wirft seinen Landsleuten gar vor: „Unser moralischer Kompass ist zerstört. Die Wächter über unsere Gesetze, die täglich Lektionen über Moral und Tugend geben und uns ihr Konzept von nationalem Stolz erklären, tragen die Schuld.“

Tatsächlich wurde die brutale Vergewaltigung und Ermordung Asifas erst zum Thema in der Hauptstadt, als Oppositionsführer Rahul Gandhi eine mitternächtliche Demonstration mit Kerzenlicht anführte. Indische Frauengruppen, die vor einigen Jahren nach der brutalen Vergewaltigung einer Studentin in Delhi lauthals die Todesstrafe für die Täter gefordert hatten, ignorierten die Tat ebenso wie Delhis Medien. Radikale hindunationalistische Gruppen, die der Regierung von Premierminister Narendra Modi nahestehen. beharren auf der Unschuld der Täter. Dabei scheint längst klar, dass die Täter die Entführung und tagelange Vergewaltigung des achtjährigen Mädchens planten, um ihre Nomadenfamilie aus dem Dorf Kathua zu vertreiben.

Doch dass die Vergewaltigung kalt lächelnd ignoriert wurde, droht sich nun zu rächen. Seit Monaten liefern sich Demonstranten in Kaschmir nahezu täglich Straßenschlachten mit den indischen Sicherheitskräften. Ein Anfang des Jahrtausends zwischen den Atommächten Pakistan und Indien vereinbarter Waffenstillstand liegt längst in Schutt und Asche. Premier Modi, der erst Ende vergangener Woche von der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen zu einem der weltweit schlimmsten Feinde der Pressefreiheit gekürt wurde, meldete sich erst nach der Demonstration von Rahul Gandhi mit den Worten: „Wir verteidigen alle Töchter Indiens.“

Die Twitter-Nachricht klingt freilich ziemlich befremdlich. Denn just in Indiens bevölkerungsreichstem Bundesstaat Uttar Pradesh geriet ein Abgeordneter von Modis Partei Bharitya Janata (BJP) in die Schlagzeilen, weil er tat, was in dem von Gangstern bevölkerten Bundesstaatsparlament seit Jahren üblich ist: Der 50-jährige Kuldeep Singh Sengar entführte und vergewaltige vor einem Jahr eine junge Frau. Diese versuchte vor einigen Tagen, sich selbst zu verbrennen, weil die Polizei sich geweigert hatte, ihre Anzeige entgegenzunehmen.

Die junge Frau überlebte. Doch der Protest wurde ihrem Vater zum Verhängnis. Er wurde nach der versuchten Selbstverbrennung seiner Tochter verhaftet und starb in der Nacht zu Sonntag in der Zelle. Der Obduktionsbericht lässt keinen Zweifel: Der Vater des Vergewaltigungsopfers starb an Schlägen, mit denen die Polizei ihn in der Zelle traktierte.

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