Lade Inhalte...

Indien Ein Hindufaschist an der Staatsspitze

Ram Nath Kovind, ein Dalit, ist zum neuen indischen Präsidenten gewählt worden. Er gehört dem extrem hindunationalistischen Reichsbürgerkorps an. Ein Porträt.

Ram Nath Kovind
Ram Nath Kovind in Neu-Delhi. Foto: dpa

Am Sieg des 71-jährigen Ram Nath Kovind bei der Wahl zum indischen Staatspräsidenten bestanden angesichts der Mehrheitsverhältnisse in den Parlamenten des Landes und der Bundesstaaten wenig Zweifel. Und tatsächliche setzte er sich bei der Wahl zwischen zwei Angehörigen der unteresten Stufe des Kastenwesens, die früher als „Unberührbare“ galten und heute Dalits genannt werden, mit knapp 66 Prozent der Stimmen durch. Das teilte Wahlleiter Anup Mishra am Donnerstag mit. Kovind wird nun Indiens Staatsoberhaupt, hat aber aber vor allem repräsentative Aufgaben. Die Macht liegt beim Premierminister.

Der gelernte Rechtsanwalt Kovind, der seine legalen Kenntnisse seit Jahrzehnten in den Dienst der gegenwärtig regierenden Hindunationalisten stellte, hatte vor der Wahl lieber nichts dem Zufall überlassen wollen. Am liebsten sprach der Dalit, wie einst die Unberührbaren in Indien hießen, hinter verschlossenen Türen vor ausgesuchten Gremien. Öffentlich ließ er sich nur zu einem markanten Satz bewegen: „Alle sollten so hart arbeiten wie ich, um Erfolg zu haben.“

Ein Dalit und Aufsteiger

Freilich half dem Dalit aus einem Fischerdorf am Ganges nahe der Stadt Kanpur auch die massive Hilfestellung „der indischen Form von Faschismus“, wie der angesehene Indien-Experte Christophe Jaffrelot das „Reichsfreiwilligenkorps“ (RSS) mit seinen 40 000 Ortsvereinen beschreibt, dem der zukünftige Präsident schon in jungen Jahren beitrat. Die Gruppe mit ihren zahllosen Verbindungen ebnete ihm nicht nur den Weg. Die RSS-Unterstützung gab neben der Dalit-Herkunft den Ausschlag für Kovinds Nominierung durch Indiens hindunationalistischen Premierminister Narendra Modi.

Biographien über Nath Kovind schweigen sich weitgehend über diese dunkle Seite seines erfolgreichen Lebens aus. Bevor er zuletzt als Gouverneur in Bihar amtierte, brachte der gedrungene Mann mit einer Vorliebe für weiße Nehru-Anzüge mit Stehkragen es sogar zum Sprecher der von Brahmanen – der obersten Hindukaste – dominierten Bharitya Janata Party (BJP). Damals, vor sieben Jahren, ließ das zukünftige Oberhaupt des indischen Vielvölker-Staats durchblicken, wes Geistes Kind er ist. „Christentum und Islam sind fremdartig für Indien“, verkündete der Dalit als Sprecher der BJP.

Wenig Entscheidungsgewalt

Nath Kovind ist stolz auf seine Lebensleistung, daran lässt er keinen Zweifel. Er ist erst der zweite Dalit, der es an die Staatsspitze schafft. Er hat sich vorgenommen, den hindunationalistischen Plan voranzubringen, die etwa 200 Millionen Dalits an die BJP zu binden – einer Partei, deren Brahmanen-Mitglieder sich teilweise noch immer weigern, bei einer Mahlzeit einen Tisch mit Dalits zu teilen. Aber selbst Mayawati, bislang eine unbestrittene Führerin der Dalit-Bewegung, zollt dem BJP-Mann Tribut. „Wichtig ist für uns, dass er ein Dalit ist“, erklärte sie am gestrigen Wahltag.

So wohltönend der Titel des Staatspräsidenten klingt, so wenig hat er zu entscheiden. Das Oberhaupt begutachtet Gnadengesuche von Gefangenen, denen die Todesstrafe droht. Vor allem aber liegt es am Präsidenten, wen er bei unklarer Mehrheitslage mit der Regierungsbildung beauftragt. Für einen solchen Fall hob ihn Modi ins Amt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Indien

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen