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Identitäre Bewegung Die Neue Rechte mit den Waffen des Feindes

Die Neue Rechte hat „Aktivisten“ vorzuweisen, die mit linken Methoden in die Offensive gehen. Damit übernimmt sie die revolutionären Aktionsformen der 68er.

Identitäre
Eine Wunderkerze macht noch keinen Sponti: Identitäre auf dem Podium des Antaios-Verlags auf der Buchmesse 2017. Foto: Michael Schick

Das Jahr 2018 hatte kaum begonnen, da legte sich CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt mit den Rebellen von 1968 an: „Auf die linke Revolution der Eliten folgt die konservative Revolution der Bürger“, verkündete Dobrindt. Ob er das Buch „Der große Selbstbetrug“ des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Kai Diekmann auf dem Nachttisch liegen hatte, um sich für sein anachronistisches 68-Bashing in Stimmung zu bringen, oder doch eher „Die identitäre Generation: Eine Kriegserklärung an die 68er“ des Autors Markus Willinger: Fünfzig Jahre nach 1968 ist es zu einem alltäglichen Reflex der so genannten „Neuen Rechten“ geworden, sich die so genannte „Neue Linke“ zum Busenfeind zu machen. Aber ist nicht auch das Verhältnis von Aufklärung und Gegenaufklärung „dialektisch“?!

Die Scheelsucht, mit der die Neue Rechte auf die Neue Linke schielt, ist eigentlich eine Geschichte der Hassliebe, der Einflussangst. Sie könnte mit einem ungebetenen Besuch des neurechten Verlegers Götz Kubitschek in der Berliner Humboldt-Universität im Mai 2008 beginnen: der Stürmung eines Hörsaals, dem Entrollen von Spruchbändern, dem Werfen von Flugblättern, dem übersteuerten „Lautsprechen“ durchs Megafon.

Das Ziel dieser „konservativ-subversiven Aktion“ war die Störung eines Kongresses zum Protestjahr 1968 anlässlich seines 40. Jahrestages. Mit dieser Störaktion vor genau zehn Jahren hat Kubitscheks rechtsradikale Putztruppe, nach eigenem Bekunden, die Aktionsformen des Jahres 1968 kapern und „persiflieren“ wollen.

„Konservativ-Subversive Aktion“ im 68er-Kontext

Aber es blieb nicht bei der Travestie. Die Übernahme linker Protestformen und Diskursfiguren seitens der Neuen Rechten geht über Anlehnung und Anverwandlung manchmal bis zur perfekten Mimikry. Schon der Name „Konservativ-Subversive Aktion“ spielte ja direkt auf den 68er-Kontext an. 1962 hatte Dieter Kunzelmann in München die „Subversive Aktion“ gegründet, um eingefleischte Denkgewohnheiten eines „kolonisierten“ Alltagslebens zu durchbrechen.

Die „Subversive Aktion“ war die deutsche Dependance der „Situationistischen Internationale“, deren Cheftheoretiker Guy Debord in seiner einflussreichen Schrift „Die Gesellschaft des Spektakels“ über die Verblendungszusammenhänge moderner, mediengelenkter Blickregime schrieb: „Das ganze Leben der Gesellschaften erscheint als eine ungeheure Sammlung von Spektakeln. Doch bei der Analyse des Spektakels muss in einem gewissen Maß die Sprache des Spektakulären geredet werden.“

Der Erfolg von Kubitscheks „konservativ-subversiver“ Aktion, sich als Avantgarde zu gerieren und öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, scheiterte in den Anfängen noch kläglich. Die rechtsextremen Akteure klagten, linke Gruppierungen wie Greenpeace oder Attac seien ihnen in der Bildproduktion weit überlegen, und auch ihre völkischen Narrative seien zu schwach, um sich gegen linke Meistererzählungen durchzusetzen. Doch wurde 40 Jahre nach 1968 erstmals sichtbar: Die Neue Rechte hat jetzt „Aktivisten“ vorzuweisen, die mit linken Aktionsformen in die Offensive gehen.

Explosive Mischung aus Schnellroda

Die Inkubationszeit war lang. Bereits im Jahr 2000 hatte Kubitschek in Schnellroda in Sachsen-Anhalt sein „Institut für Staatspolitik“ gegründet, eine Art neurechter Denkfabrik, was nach dem Modell der selbstermächtigenden Lesezirkel anno 68 die Neue Rechte auch als „Lesebewegung“ ausweisen sollte. Es ist eine wahrlich explosive weltanschauliche Mischung, die seither in Schnellroda angerührt wird, ein eigentümliches Pandämonium von Vordenkern, das die Schnellrodarier in ihren Séancen heraufbeschwören.

Carl Schmitt wird natürlich angerufen, und Ernst Jünger, gelesen in pietistischer Innerlichkeit und Naherwartung. Zu den Hausgöttern gehörten aber von Anfang an auch Neomarxisten wie Antonio Gramsci, der in seinen „Gefängnisheften“ dazu riet, erst den „Kampf um die Köpfe“ zu führen und so der Revolution das Feld zu bereiten, oder Antonio Negri und Michael Hardt, deren „Empire“-Staatskritik sich gegen ein vermeintlich linksliberales „Establishment“ ins Feld führen lässt. „Hegemonie“ ist das Zauberwort, der Plot, der damals Linken und heute Rechten die Vormachtstellung im Diskurs sichern soll.

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