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IDEEalisten Die Hoffnungsbringer

Der Wohlstand auf der Welt wächst rasant. Doch nur ein kleiner Teil der Menschheit profitiert davon, ein großer leidet unter Ausbeutung und Repressalien. Doch es gibt Hoffnung.

Demonstration für Arbeitnehmerrechte
Bunt und laut für Arbeitnehmerrechte: Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes protestierten Ende Mai in Frankreich. Foto: rtr

Für Andy Hall war der 31. Mai ein großer Tag. Es war der Tag, an dem sich die Justiz einmal auf seine Seite stellte. Der britische Menschenrechtsaktivist hatte vor Jahren öffentlich gemacht, wie der thailändische Fruchthändler Natural Fruit Company in seiner Ananasfabrik in Myanmar angeblich Migranten ausbeutet. Seither wird er von dem Konzern mit Klagen überzogen – in den Vorinstanzen erfolgreich. Und die Auseinandersetzung ist noch lange nicht überstanden. Schlimmstenfalls erwarten Hall mehrere Jahre im Gefängnis.

Mit seinem Schicksal ist Andy Hall nicht alleine. Wer sich couragiert für die Rechte von Arbeitnehmern einsetzt, muss in vielen Ländern Repressalien fürchten. „Die demokratischen Spielräume für erwerbstätige Menschen schwinden und die unkontrollierte Profitgier der Unternehmen wird immer größer“, fasst der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) die jüngsten Ergebnisse seines globalen Rechtsindex zusammen. Demnach wurden 2017 in 44 Ländern Arbeitnehmer willkürlich verhaftet und inhaftiert, in diesem Jahr sind es bereits 59 Länder. 65 Prozent aller Staaten schließen bestimmte Beschäftigtengruppen vom Arbeitsrecht aus, 81 Prozent verweigern einigen oder allen Beschäftigten Tarifverhandlungen. In 65 Ländern waren Beschäftigte zuletzt körperlicher Gewalt oder Drohungen ausgesetzt, und zwar nicht nur in Staaten wie Bahrain, Pakistan oder Honduras, sondern auch in Italien. Und in Frankreich sehen die Reformen des Präsidenten Emmanuel Macron vor, die Mitsprache der Arbeitnehmer bei Betriebsentscheidungen zu reduzieren. 

Zu Massenentlassungen wegen der Wahrnehmung von Arbeitnehmerrechten kam es in Indonesien, wo 4200 Beschäftigte des Bergbauunternehmens PT Freeport gefeuert wurden, in Myanmar, wo 184 Gewerkschaftsmitglieder ihren Arbeitsplatz verloren und in Kambodscha, wo 558 Beschäftigte einer Textilfabrik nach einem Streik entlassen wurden. In neun Ländern wurden Gewerkschafter ermordet: in Brasilien, China, Guatemala, Guinea, Kolumbien, Mexiko, Niger, Nigeria und Tansania. Die schlimmste Gegend für Beschäftigte war erneut die Region Nahost/Nordafrika, wo nach wie vor Millionen Menschen versklavt und ihrer Rechte beraubt werden. 

„Brasilien hat Gesetze zur Verweigerung der Vereinigungsfreiheit verabschiedet, China hat die Redefreiheit eingeschränkt und in Indonesien wurde das Militär eingesetzt, um Arbeitskonflikte zu unterbinden“, benennt IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow weitere negative Entwicklungen für Beschäftigte. „Menschenwürdige Arbeit und demokratische Rechte wurden in nahezu allen Ländern untergraben, während die Ungleichheit weiter wuchs.“

Der globale Wohlstand nimmt zwar weiter zu. Seit Anfang der 1980er Jahre gab es nur das Jahr 2009, in dem er nicht gewachsen ist (-0,1 Prozent), zu Zeiten der großen Finanzkrise. Aber der Zusammenhang von Wachstum und mehr Wohlstand für alle ist brüchig geworden. Im vergangenen Jahr flossen laut einem Bericht der Nichtregierungsorganisation Oxfam 82 Prozent des zusätzlich erwirtschafteten Wohlstands dem reichsten Prozent der Weltbevölkerung zu. Es profitierten also vor allem diejenigen, die Unternehmen, Fabriken und Maschinen besitzen oder anderen Geld leihen können, während die arbeitende Bevölkerung zwar aktiv an der Wohlstandsgenerierung beteiligt ist, davon selbst aber kaum noch einen zusätzlichen Nutzen hat. Die Machtverhältnisse haben sich verschoben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ideealisten

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