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Humanistischer Verband Deutschlands (HVD) Atheisten werden benachteiligt

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) kritisiert die Dominanz der christlichen Kirchen und die Benachteiligung von konfessionslosen Menschen. Lob gibt es hingegen für das Land Berlin.

Die Benachteiligung religiös nicht gebundener Menschen in Deutschland beklagt der „Humanistische Verband“. Konfessionsfreie Menschen müssten sich in vielfacher Hinsicht als Bürger zweiter Klasse sehen, erklärte der Präsident der Organisation, Frieder O. Wolf. Konfessionslose und nicht religiöse Menschen könnten ihre Freiheitsrechte nur durch „gläserne Wände“ besichtigen, sie aber kaum wahrnehmen, heißt es in einem fast 100-seitigen Bericht des Verbandes.

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) zählt nach eigenen Angaben rund 20 000 Mitglieder. Er versteht sich als Interessenvertretung des Drittels der Bevölkerung, das keiner Religionsgemeinschaft angehört. Für sie will er nach den Worten seines Präsidenten Wolf „anwaltlich eine Rolle spielen“.

Ein Lob für Berlin

Die „Unmöglichkeit für konfessionsfreie Bürger, ein bestimmtes Recht oder eine Möglichkeit ebenso wie konfessionsgebundene Bürger wirklich wahrnehmen zu können“, rühre vielfach daher, dass die gesetzlichen Grundlagen und politischen Strukturen „sich oftmals am Muster der christlichen ‚Kirche‘ orientieren“, kritisierte der Geschäftsführende Vorstand des Verbandes, Michael Bauer, bei der Vorstellung des Papiers in Berlin. Weder andere Religionen noch konfessionsfreie und nicht religiöse Menschen hätten diese Organisationsform.

Bauer sprach von „vielfältigen und mitunter gravierenden Formen struktureller Diskriminierung“. Sie gälten für Arbeitnehmer aufgrund des kirchlichen Arbeitsrechts, für Erziehungsberechtigte aufgrund monopolartiger Verbreitung von Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft, aber auch für Eltern und Schüler, da Alternativen zu den unterschiedlichen Religionsunterrichten fehlten.

Außerdem würden konfessionslose Menschen konsequent aus den Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgeschlossen. Auch eine nichtreligiöse Betreuung in der Bundeswehr gebe es nicht. Das Verteidigungsministerium weigere sich, die Kasernen für Vertreter des Verbandes zu öffnen, heißt es in dem Bericht „Gläserne Wände!“.

Eine besondere Benachteiligung sieht der Humanistische Verband im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen. Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände beschäftigten 1,3 Millionen Arbeitnehmer. Konfessionslose könnten bei ihnen aber nicht arbeiten. Dieser Ausschluss gehe „weit über die Grenzen eines legitimen Tendenzschutzes“ hinaus. Denn er umfasse auch Bereiche, die nicht „verkündigungsnah“ seien wie beispielsweise Ärzte, Techniker und Reinigungspersonal.

Monopolartige Präsenz der Kirchen

Vor allem in den alten Bundesländern gebe es eine flächendeckende, teilweise monopolartige Präsenz von Kinderbetreuungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, deren Kosten auch noch mehrheitlich vom Staat getragen würden.

Konfessionslose Menschen hätten meist keine andere Möglichkeit, als ihren Nachwuchs in katholische oder evangelische Kitas zu schicken. Das widerspreche dem Erziehungsrecht der Eltern. In vielen Bundesländern gebe es neben dem staatlichen Ethik- und Normenunterricht einen konfessionell organisierten Religionsunterricht, aber keine humanistisch ausgerichtete Lebenskunde.

Als vorbildlich lobt der Humanistische Verband dagegen die Regelung in Berlin. Hier würden katholische und evangelische Religion neben der humanistischen Lebenskunde gleichberechtigt als freiwillige Fächer angeboten.

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