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Hugo Chavez Venezuela Kampf um vierte Amtszeit

Der Comandante will es noch einmal wissen: Hugo Chavez kandidiert trotz Krebsoperation für eine vierte Amtszeit. Doch nun muss er sich erstmals einem ernstzunehmenden Wahlgegner stellen. Ist seine Zeit bald vorbei?

05.10.2012 11:16
Chavez im Regen: Dieses Mal könnte es wirklich eng werden für den Comandante. Foto: dapd

Hugo Chavez will es noch einmal wissen. Bei der Präsidentenwahl in Venezuela tritt der 58-jährige Sozialist trotz seiner Krebsoperationen für eine vierte Amtszeit an. Seine Chancen stehen zwar wieder nicht schlecht. Allerdings ist dem selbst ernannten Erben des Revolutionshelden Simon Bolivar mit dem Oppositionspolitiker Henrique Capriles erstmals ein ernstzunehmender Gegner erwachsen. Denn der 40-jährige Jurist hat es in den vergangenen Monaten nicht nur geschafft, die zersplitterte Opposition in dem ölreichen Land hinter sich zu vereinen. Ihm ist vor allem gelungen, immer mehr Venezolaner auf die Schattenseiten des von Chavez propagierten Sozialismus' im 21. Jahrhundert aufmerksam zu machen, allen voran die hohe Arbeitslosigkeit und die zunehmende Kriminalität.

So wurde der Wahlkampf zuletzt durch die Ermordung von drei Oppositionspolitikern aus dem Capriles-Lager überschattet. Die Schüsse am vergangenen Wochenende schürten die Furcht der Venezolaner vor noch mehr Gewalt in dem südamerikanischen Land, das eine der höchsten Mordraten weltweit hat.

Mit seiner Verstaatlichungspolitik hat Chavez nach 14 Jahren an der Macht die Bevölkerung gespalten. Auf der internationalen Bühne ist der ehemalige Offizier zu einem der umstrittensten Politiker geworden. Bei jeder Gelegenheit stilisiert er sich als Kämpfer für die Unterdrückten, sein Image als Erzfeind der USA pflegt er mit Leidenschaft. So beschimpfte Chavez George W. Bush in der UN-Vollversammlung als Teufel. Ungeachtet dessen sind die Vereinigten Staaten immer noch der wichtigste Käufer von venezolanischem Öl. Mit den Petro-Dollars finanziert Chavez wiederum einen Großteil seiner Sozialprogramme.

Herausforderer Capriles propagiert eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und Sozialpolitik. Als Leitbild nennt der Gouverneur des zweitgrößten Bundesstaats Miranda das Nachbarland Brasilien, wo Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erfolgreich einen Mittelweg zwischen Sozialismus und Kapitalismus beschritten hat. Capriles gilt inzwischen als der bisher gefährlichste Gegner für den charismatischen Chavez. In jüngsten Umfragen kommt er dem Amtsinhaber gefährlich nahe, in einigen liegt er sogar knapp vor ihm.

Im Wahlkampf prangerte Capriles die Vetternwirtschaft in vielen Staatsbetrieben an. Ausländische Investoren hoffen auf einen Sieg des unternehmensfreundlichen Capriles und ein Ende der Verstaatlichungswelle. Zudem warf der Herausforderer Chavez vor, das aus dem Ölgeschäft verdiente Geld im Ausland zu verschwenden: für Projekte in Ländern mit Chavez-freundlichen Regierungen wie Nicaragua und Kuba. Ein Machtwechsel in Venezuela hätte somit auch direkte Auswirkungen auf andere linke Regierungen in der Region.

Präsident Chavez selbst konzentrierte sich in den vergangenen Tagen darauf, die Errungenschaften seiner Amtszeit in den Vordergrund zu stellen. Mit einer Energie, die ihm viele nach seinen Krebserkrankungen nicht zugetraut hatten, buhlte er um die Gunst noch unentschlossener Wähler. Vor allem in den Slums der Großstädte und armen Gegenden des Landes stellte er neue Verkehrsprojekte vor. Chavez teilte dabei gegen Capriles aus, den er als herzlosen und elitären Politiker des rechten Lagers anprangert: „Der Wahlverlierer muss auf den Mond fliegen und sich nach seinem Felsen umsehen, den er regieren kann“, sagte Chavez. „Denn hierher wird die Bourgeoisie nie wieder zurückkehren.“ (rtr)

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