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Horst Seehofer Grüß Gott, Herr Seehofer!

Horst Seehofer behauptet, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. FR-Redakteur Timur Tinç schreibt dem Heimatminister einen Brief.

Seehofer
Wohin gehört der Heimatminister? Foto: dpa

Sie haben es mal wieder geschafft! Mit dem Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ sind Sie in aller Munde. Klar, Sie wollen die rechte Flanke schließen und so der „Alternative für Deutschland“ den Wind aus den Segeln nehmen. Das ist so fadenscheinig wie wirkungslos. Jeder Migrationsforscher hätte Ihnen sagen können, dass die Übernahme radikaler Positionen immer nur deren Verfasser stärkt und nicht den, der sie kopiert. 

Mir persönlich, als Muslim mit einer deutschen Mutter, die zum Islam konvertierte, und einem türkischen Vater, der nicht so gläubig ist, entlockt dieser Satz nicht mal mehr ein Schulterzucken. Ich habe ihn schon zu oft gehört, mir zu viele sinnlose Talkshows zu dem Thema angesehen; all diese „Debatten“, die das Wort gar nicht verdienen, drehten sich immer nur im Kreis und haben zu nichts geführt.

Ich finde es traurig, wenngleich es mich angesichts Ihrer früheren Aussagen kein bisschen verwundert, dass Sie als „Heimatminister“ damit antreten, andere erstmal auszuschließen. Zu den Anschlägen auf Moscheen hierzulande habe ich übrigens nicht ein Wort der Solidarität von Ihnen persönlich gehört. Statt dass ein Aufschrei durchs Land geht, wenn Gotteshäuser brennen, statt über solche feigen Angriffe zu sprechen, wird zum gefühlt 491. Mal über die Zugehörigkeit des Islam diskutiert. 

Eine Pseudodebatte, die von einem viel wichtigeren Diskurs ablenkt, nämlich dem, wie wir in Zeiten von gesellschaftlichen Spannungen leben wollen? Welche Werte sind uns wichtig? Was macht uns stark? Woran müssen wir arbeiten? Wo wollen wir hin? Wir alle miteinander und natürlich auch wir Muslime.

Die meisten von uns müssen nicht mal integriert werden, weil wir hier geboren und sozialisiert wurden. Sie brauchen sich auch keine Sorgen zu machen, dass Sie „landestypische Traditionen und Gebräuche“ oder gar christliche Feiertage aufgeben müssen. Es gibt Muslime, die bei ihrer Hochzeit Schuhplattler auftreten lassen. Und sehr viele Muslime,  auch ich, schlendern gerne über Adventsmärkte und genießen die freien Tage an Ostern und Weihnachten. 

Die Realität ist, dass alle Menschen, die hier leben, zu diesem Land gehören und damit auch ihre Religionen. Als „Heimatminister“ sind Sie für alle Menschen in diesem Land verantwortlich, die Deutschland als ihre Heimat ansehen und nicht nur für die, die Sie mit Ihrem persönlichen Heimatbegriff verbinden. 

Servus

Timur Tinç
(Redakteur der FR)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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