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Hohenschönhausen Sexismus in der Chefetage?

Der Stiftungsrat der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen wird sich mit den Vorwürfen sexueller Belästigung beschäftigen.

Hohenschönhausen
Das ehemalige Gefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen gehört zum Pflichtprogramm zahlreicher Schülergruppen. Foto: epd

Nach Berichten über politisch rechtslastige Tendenzen in der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im Sommer wird die Einrichtung nun von einer zweiten Affäre erschüttert. In einem Brief, der von sechs ehemaligen Mitarbeiterinnen der Einrichtung unterzeichnet ist und der FR vorliegt, haben diese Anschuldigungen gegen einen dort arbeitenden Mann erhoben, bei dem es sich nach Informationen des Senders RBB um Vize-Direktor Helmuth Frauendorfer handelt. Zugleich ist von „strukturellem Sexismus aus der Führungsetage“ die Rede. Nach Angaben der Autorinnen gibt es noch mehrere weitere Betroffene, die „aus Furcht vor beruflichen Nachteilen“ namentlich nicht in Erscheinung treten möchten.

Es geht um verbale Belästigungen mit sexuellem Charakter, Berichte über sexuelle Vorlieben, aufdringliche private Einladungen, nächtliche SMS, Berührungen und Mobbing. Der Brief, der auf den 8. Juni 2018 datiert ist, richtete sich an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und den Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Als konkrete Vergehen werden unter anderem benannt: „Enge, fast intime körperliche Nähe und Berührung wie Streichen über die Arme, enge Umarmungen bei Mitarbeiterinnen, unsachliches Lob, das Äußerlichkeiten (Figur, Schönheit) betont; im Gespräch während der Arbeit Berichte über private Aktivitäten wie Puff und Swinger-Club.“ Nach konflikthaften Gesprächen habe es eine „bestrafende“ Ignoranz der Betroffenen gegeben, heißt es. Die Vorfälle, so die Autorinnen, hätten sich von 2011 bis 2018 erstreckt – also über sieben Jahre. Als Reaktion auf den Brief kommt der Stiftungsrat am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammen.

Der Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, zeigte sich in einer Erklärung betroffen über die Berichte. „Ich bin entsetzt, wenn ich höre, dass sich Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte von meinem Stellvertreter bedrängt gefühlt haben“, ließ er mitteilen. „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go. Die Vorwürfe müssen ohne Ansehen der Person geprüft und, wenn sie sich bestätigen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln geahndet werden.“

Knabe behauptete ferner, die Gedenkstätte habe erst am Montag erfahren, „worüber sich die Mitarbeiterinnen konkret beschwert hätten“. Zugleich habe er bereits im April 2018 Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, als er von anonymen Beschwerden gehört habe. Das Ermittlungsverfahren sei im August eingestellt worden, da laut Staatsanwaltschaft der für eine Anklageerhebung erforderliche hinreichende Tatverdacht nicht gegeben sei. Knabe bedauerte jetzt, „dass sich die Mitarbeiterinnen weder an den Personalrat noch an die Leitung der Gedenkstätte gewandt haben“.

Frauendorfer ließ seinen Anwalt allerdings mitteilen, Knabe habe ihn schon vor gut zwei Jahren auf sein Verhalten angesprochen. Er habe dies daraufhin geändert. Demnach hätte Knabe seit 2016 Bescheid gewusst. Ohnehin soll das sexistische Klima in der Spitze der Einrichtung Insidern zufolge allgemein bekannt gewesen sein. Dem RBB liegen überdies Berichte vor, die sich auch auf die Zeit nach 2016 beziehen. Lederers Sprecher Daniel Bartsch sagte, man habe mehrmals mit Knabe gesprochen, auch mit dem Hauptbeschuldigten habe es zwei Anhörungen gegeben. Zu Konsequenzen könne man sich erst nach Abschluss der Untersuchungen äußern.

Laut Berichten soll sich Knabe gegenüber betroffenen Frauen auch persönlich unangemessen geäußert haben. Dieser erklärte hingegen, sich einem modernen Frauenbild verpflichtet zu fühlen. Anzüglichkeiten gehörten nicht zu seinem Sprachgebrauch. Er behandle seine Beschäftigten vielmehr mit Respekt und Wertschätzung. Dazu gehöre Anteilnahme an ihrem persönlichen Leben und „eine Prise Humor“.

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