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Hohenschönhausen Direktor Hubertus Knabe abgesetzt

Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung von Frauen verliert auch Direktor Hubertus Knabe seinen Posten in der Gedenkstätte Hohenschönhausen - obwohl es keine haltbaren Vorwürfe gegen ihn gibt.

Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen
Wachtum auf der Außenmauer der Stasigefängnis-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung wird Direktor Knabe abgesetzt. Foto: dpa

In der Affäre um sexuelle Belästigungen von Frauen in der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen verliert Direktor Hubertus Knabe seinen Posten. Knabe werde ordentlich gekündigt, zugleich werde er vorläufig von der Arbeit freigestellt, teilte die Berliner Senatskulturverwaltung am Dienstag mit.
 
„Der Stiftungsrat hat kein Vertrauen, dass Herr Dr. Knabe den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann“, hieß es nach einer Sitzung des Gremiums zur Begründung. Der Rat hatte den Beschluss einstimmig gefasst. Noch am Montag hatte Knabe mitgeteilt: „Wenn es Kritik gibt, dann gehört diese auf den Tisch.“ Er ist seit 2001 Direktor. Knabes Stellvertreter soll ebenfalls gehen. Dem Vize-Direktor Helmuth Frauendorfer werde „schnellstmöglich und zum nächstzulässigen Termin ordentlich gekündigt“, teilte der Stiftungsrat mit. Er war bereits am Montag von Knabe wegen der Vorwürfe mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden.

Sexistisches Verhalten in „der Führungsetage“

In einem kürzlich publik gewordenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatten mehrere frühere Mitarbeiterinnen, Volontärinnen und Praktikantinnen „der Führungsetage“ sexistisches Verhalten vorgeworfen. Sie formulierten Anschuldigungen über eine „erschreckende Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster“. In dem Brief vom Juni beschrieben die Frauen verbale Belästigungen mit sexuellem Charakter, „Berichte über private Aktivitäten wie Puff und Swinger-Club“, „enge, fast intime körperliche Nähe und Berührung wie Streichen über die Arme, enge Umarmungen“, aufdringliche Einladungen, nächtliche SMS sowie Mobbing. Vor allem Frauendorfer stand im Fokus. Sein Anwalt räumte Fehlverhalten ein. Gegen Knabe gebe es keine haltbaren Belästigungsvorwürfe, aber Indizien, heißt es.
 
Lederer, der Vorsitzender des Stiftungsrates ist, sagte dieser Zeitung: „Es stand die Frage im Raum, ob wir Herrn Knabe zutrauen, den auf das Arbeitsklima bezogenen Kulturwandel innerhalb der Gedenkstätte, der offensichtlich nötig war, voranzubringen.“ Diese Frage sei einstimmig mit Nein beantwortet worden. Dem Gremium sei es überdies „wichtig, möglichst schnell Verhältnisse zu schaffen, in denen die Mitarbeiter wieder ihrer Arbeit machen können“. 
 
Aus dem Umfeld des Stiftungsrates verlautet, die kurzfristige Beurlaubung Frauendorfers durch Knabe und die ebenso kurzfristige Benennung einer Anti-Diskriminierungsbeauftragten habe zum Schluss nicht mehr überzeugt. Schließlich galten die Belästigungen durch Frauendorfer seit Jahren auch Knabe als bekannt. Zudem seien die Vorwürfe nach Eintreffen des Briefes der Frauen intensiv geprüft worden. Dabei habe sich der Verdacht, in Hohenschönhausen habe „ein Klima der Angst“ geherrscht, bestätigt. Knabe wird ebenfalls zur Last gelegt, in der vorigen Woche die Sondersitzung des Stiftungsrates bekannt gegeben zu haben – als wäre dies sein Verdienst gewesen.

Knabe überrascht von Kündigung

Im Stiftungsrat sitzen neben Lederer je eine Vertreterin von Grütters, der Senatsjustizverwaltung, dem Land Sachsen-Anhalt sowie der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Dieter Dombrowski. Drei der fünf Mitglieder sind Frauen.

 
Knabe selbst soll von der Entscheidung, sich von ihm zu trennen, trotz allem überrascht gewesen sein. Der 59-Jährige hatte sich trotz vielerlei Kritik an ihm und seiner Arbeit in den vergangenen Jahren immer wieder halten können. Erst kürzlich hatten mehrere Fachleute rechtspopulistische Tendenzen in der Gedenkstätte beklagt. Knabe trennte sich daraufhin vom Gedenkstättenführer Siegmar Faust und setzte die Zusammenarbeit mit dem Förderverein und dessen mit der AfD sympathisierenden Vorsitzenden Jörg Kürschner vorläufig ist. Kürschner ist wie Frauendorfer ein langjähriger Weggefährte des Direktors.

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