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Hambacher Forst „Und all das für die Kohle, die das Klima aufheizt“

Die Polizei beginnt mit der Räumung des Hambacher Forstes, der dem Braunkohle-Abbau weichen soll. Umweltschützer verurteilen die aus ihrer Sicht gefährliche Eskalation.

13.09.2018 22:21
Hambacher Forst
Die Waldbesetzer machen es den Kletterern von der Polizei so schwer wie möglich, sie aus den Bäumen zu holen. Foto: dpa

Freddy sitzt zehn Meter hoch über dem Waldboden. Er trägt Mütze, Brille und Gesichtsvermummung. Sein Körper ist in goldschimmernde Rettungsfolie gehüllt, gegen die Kälte. Freddy ist, das muss man ihm in jedem Fall lassen, ein Kommunikator. Immer wieder appelliert er mit lauter Stimme an die Polizisten am Boden: Wollen Sie wirklich dabei mithelfen, einen alten Wald zu vernichten? Wollen Sie Baumhäuser zerstören, in denen manche Menschen schon sechs Jahre wohnen? Und all das für die Kohle, die das Klima anheizt? „Die Befehle, die ihr ausführt, sind Verbrechen!“, ruft er. In 20, 30 Jahren werde niemand mehr verstehen, was an diesem Septembertag im Hambacher Forst geschehen sei.

Tief unter Freddy spielt sich eine merkwürdige Szene ab. Joachim Schwister, Baudezernent der Stadt Kerpen, spricht in ein Megafon: „Achtung! Achtung!“ In peniblem Verwaltungsdeutsch verkündet er dann das, was die Eskalation um den Hambacher Forst, in dem RWE im Herbst weiter roden will, auf eine neue Stufe hebt. „Die Baumhäuser verfügen nicht über erforderliche Rettungswege“, sagt er. Sie seien unverzüglich zu räumen. Auch der Brandschutz sei ein Problem. „Bitte nehmen Sie beim Verlassen der Baumhäuser Ihre persönlichen Gegenstände mit.“

Baumhäuser im Hambacher Forst sind Symbol des Widerstands

Die Gegenseite reagiert mit Gelächter. Ein junger Mann mit Vollbart lehnt sich hinunter und ruft: „Heißt du Darth Vader oder Lord Voldemort?“ Es ist nicht etwa Widerstand gegen die Staatsgewalt oder RWE, der den Waldbesetzern zu diesem Zeitpunkt vorgeworfen wird, es sind Verstöße gegen das Baurecht, den Brandschutz. Kurios dabei: Während der großen Trockenheit im Sommer geschah nichts, jetzt ist der Wald nach stundenlangem Regen feuchtnass. 

Das Ultimatum von einer halben Stunde verstreicht. Dann fährt ein Forstfahrzeug mit Greifer auf den Waldweg und räumt die erste Barrikade aus Stöcken und Ästen weg. Polizisten lösen eine Sitzblockade am Boden auf – die Kirchenleute lassen sich ohne Widerstand wegtragen. Ein Laster mit Hebekran fährt vor. Unter Freddys Pfahlbau pumpen Polizisten ein großes weißes Luftkissen auf. „Seid vorsichtig“ mahnt er. „Wenn ich hier runterfalle, bin ich tot.“ Kurz darauf wechselt er an einem Seil von seiner Einzelplattform auf eine größere: „Ich hab’ keine Lust, mich verhaften zu lassen.“

Mit einem massiven Polizeiaufgebot haben die Behörden im Braunkohlerevier Hambacher Forst damit begonnen, die Baumhäuser der Umweltaktivisten zu räumen. Für den jahrelangen Protest der Braunkohlegegner ist das eine Zäsur. Denn die in den vergangenen Jahren errichteten Baumhäuser sind längst ein Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden. 

Der Energiekonzern RWE will im Herbst mehr als die Hälfte des noch verbliebenen Waldstücks zwischen Köln und Aachen roden, um weiter Braunkohle baggern zu können. Dagegen gibt es seit langem Proteste. Aktivisten haben in bis zu 25 Metern Höhe rund 50 bis 60 Baumhäuser errichtet und halten den Wald damit seit sechs Jahren besetzt.

Begründet wurde die Räumung allerdings nicht mit dem geplanten Braunkohleabbau. Vielmehr argumentiert das NRW-Bauministerium unter anderem mit dem fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Hambacher Forst

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