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Hakenkreuz Nazi-Glocke spaltet Faßberg

Die Kirchengemeinde in Faßberg will das Hakenkreuz-Relikt abhängen. Doch eine Bürgerinitiative in der 6000-Einwohner-Gemeinde möchte es behalten und hat 1600 Unterschriften gesammelt.

Pastor Rudolf Blümcke aus Faßberg in der Lüneburger Heide bleibt eisern: Die Glocke muss weg. Der Kirchenvorstand habe sich die Sache nicht leicht gemacht, die meisten Argumente sprächen für einen Austausch der Glocke, also: „Bei dieser Entscheidung bleiben wir.“

Vergangenen Herbst hatte es angefangen. In Herxheim in der Pfalz war eine Nazi-Glocke mit Hakenkreuz im Turm der Jakobskirche entdeckt worden: „Alles für’s Vaterland – Adolf Hitler“. Danach ließen die Kirchen deutschlandweit nachschauen und: Es tauchten immer mehr auf, in Homburg, im südpfälzischen Essingen, im saarländischen Rilchingen-Hanweiler, in Pirmasens, im niedersächsischen Schweringen. Und auch in der 6000 Einwohner zählenden Gemeinde Faßberg bei Celle.

Dort führte der Fund zum großen Krach: Die Kirche will die Glocke loswerden, eine Bürgerinitiative sammelte 1600 Unterschriften, damit sie bleibt und weiter läutet. „Wir haben versucht, in die Diskussion deutlich mehr Sachlichkeit zu bringen, sind damit aber offenbar nicht erfolgreich gewesen“, so Blümcke. Er bedauere, dass die Glocke sehr emotionale Debatten hervorrufe. In Faßberg, einem Ort, in den 1930er Jahren um einen Fliegerhorst und eine Kampffliegerschule angelegt, heute noch größter Flugplatz der Bundeswehr, entdeckte man 2017 ein zwei mal zwei Zentimeter großes Hakenkreuz und einen Adler der Wehrmacht auf der Glocke. Das war im Ort seit Jahren bekannt, schließlich entstand das Gotteshaus 1938 als Garnisonskirche für beide Konfessionen. Es gab Debatten hin und her, der Kirchenvorstand wollte die Glocke zunächst hängen lassen, beschloss aber dann den Austausch. Auch Bürgermeister Frank Bröhl (CDU) will eine neue Glocke, auch weil sie (20 000 bis 30 000 Euro) von der Landeskirche bezahlt würde.

„Wir finden es schade, dass die Glocke nach über 70 Jahren abgehängt und durch eine neue ersetzt werden soll“, meint Carsten Bohne-Vogelsberg von der Bürgerinitiative. „Das Geld dafür könnte man viel besser in die Bildungs- und Jugendarbeit stecken.“

Wie es weitergeht? Einen Bürgerentscheid, den die Unterzeichner der Protestliste forderten, wird es nicht geben, weil der Glockenstreit eine Sache der Kirch- und nicht der Ortsgemeinde ist. Im Juni soll es aber eine Bürgerversammlung geben.

Pastor Blümcke findet: „Wenn wir ganz konsequent den Einfluss der Nationalsozialisten in dieser Kirche beseitigen wollten, müssten wir sie abreißen.“ Im „Spiegel“ fügte er noch an: Strenggenommen gelte das für ganz Faßberg.

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