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Haiti Hauptquartier der Regierungspartei angezündet

Nach der Verkündung des Ergebnisses der Präsidentenwahl in Haiti kommt es zu schweren Ausschreitungen. Der beliebte Musiker Michel Martelly schafft es nicht in die Stichwahl. Seine Anhänger drohen, das ganze Land lahmzulegen.

Polizisten versuchen, Proteste in Port-au-Prince zu unterbinden. Foto: dpa

Bei schweren Ausschreitungen in Haiti ist auch das Hauptquartier der Regierungspartei angezündet worden. Dies berichtete ein AFP-Reporter am Mittwoch aus der Hauptstadt Port-au-Prince. Am Dienstagabend hatte der Wahlrat des Landes verkündet, dass der Kandidat der Regierungspartei Inite, Jude Célestin, in die Stichwahl gelangte.

Anhänger unterlegener Kandidaten errichteten nach der Bekanntgabe Barrikaden in mehreren Vororten der Hauptstadt Port-au-Prince. Auch die USA äußerten Zweifel an dem Wahlergebnis, durch das wider Erwarten der Regierungskandidat in die Stichwahl gelangte. Die Präsidentschaftswahl war von Anfang an von Betrugsvorwürfen überschattet worden. Zwölf der insgesamt 18 Kandidaten für das Präsidentenamt hatten wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten eine Annullierung des Urnengangs gefordert.

Den offiziellen Angaben zufolge kam die frühere Präsidentengattin Mirlande Manigat bei den Wahlen vom 28. November auf 31 Prozent der Stimmen. Der Kandidat der Regierungspartei, Célestin, konnte etwas über 22 Prozent der Stimmen auf sich verbuchen. Beide sollen nun am 16. Januar gegeneinander antreten.

Verärgerte Anhänger des nach offiziellen Angaben unterlegenen Kandidaten Michel Martelly hatten daraufhin Autoreifen angezündet und waren durch die Straßen der Hauptstadt gezogen. Vereinzelt waren Schüsse zu hören.

Haiti stehen unruhige Tage bevor

Das Wahlergebnis schürt aus zwei Gründen den Verdacht der Manipulation zugunsten des im Volk unbeliebten Célestin. Zum einen hatte eine unabhängige Wahlbeobachterkommission in ihrer eigenen Zählung Martelly deutlich vor Célestin gesehen. Zum anderen war es am Wahltag selbst zum Teil ungeniert zu Betrug zugunsten des Lieblings von Präsident René Préval gekommen.

Nach diesem Wahlausgang stehen Haiti unruhige Tage bevor. „Sie haben unseren Kandidaten betrogen. Wir werden das ganze Land lahmlegen“, sagte ein erzürnter Anhänger Martellys. Die US-Botschaft bezog am Dienstagabend (Ortszeit) überraschend deutlich Stellung und äußerte Zweifel am Resultat. Es decke sich nicht mit den Einschätzungen der Wahlbeobachter, hieß es in einer Erklärung: „Die USA und die internationale Gemeinschaft sind bereit, die Ergebnisse der Wahl genau zu prüfen und dem haitianischen Volk zu seinem Recht zu verhelfen.“

Auch die Vereinten Nationen hatten vor wenigen Tagen eine unmissverständliche Warnung an die Regierung von Präsident Préval ausgesprochen. „Wenn der Wille des Volkes nicht respektiert wird, wird sich die internationale Gemeinschaft aus Haiti zurückziehen“, sagte Edmond Mulet, Chef der UN-Stabilisierungsmission Minustah. Ab sofort läuft die Einspruchsfrist gegen die Ergebnisse. Das offizielle Ergebnis wird am 20. Dezember verkündet.

Urnen waren schon vor der Wahl gefüllt

Bei dem Urnengang Ende November war es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen: Wählerlisten waren unvollständig, Urnen wurden zerstört oder schon vor der Wahl mit Stimmzetteln gefüllt. Wähler wurden eingeschüchtert. Noch am Wahltag forderten zwölf der 18 Kandidaten die Annullierung der Abstimmung. Internationale Beobachter hingegen erklärten die Wahl anschließend trotz gravierender Bedenken für gültig.

Viele Haitianer nehmen die Hochschullehrerin Manigat als die Bewerberin wahr, die dem Land den erhofften Wechsel bringen könnte. Sie ist die Frau von Leslie Manigat, der 1988 nach nur vier Monaten als Präsident gestürzt wurde und ins Exil floh.

Jude Célestin hingegen ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Der langjährige Chef der Infrastrukturbehörde wurde vom scheidenden Staatschef Préval erst kurz vor Schließung der Bewerberliste ausgewählt. Viele Haitianer lehnen ihn ab, weil sie ihn für einen Strohmann Prévals halten. Dem Präsidenten nehmen sie übel, dass er die Bevölkerung nach dem Beben weitgehend alleine ließ. Auch nach dem Ausbruch der Cholera, der mehr als 2000 Menschen zum Opfer gefallen sind, blieb die Regierung überwiegend tatenlos. (aktualisiert mit afp)

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