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Guy Scott Ein Weißer regiert Sambia

Nach dem Tod des Staatschefs Michael Sata rückt Guy Scott an die Spitze des afrikanischen Landes. Damit wird zum ersten Mal seit der Abdankung der weißen Minderheitsregierung in Südafrika vor mehr als 20 Jahren wieder ein Weißer Staatschef in einem afrikanischen Land.

Zambia's President Sata and founding President Kaunda attend a ceremony to receive the African Nations Cup trophy at the State House in Lusaka
Sambias Vizepräsident Guy Scott (li.) und Satas Vorgänger Rupiah Bandaein. Foto: rtr

In Sambia im südlichen Afrika hat sich eine kleine historische Sensation ereignet. Zum ersten Mal seit der Abdankung der weißen Minderheitsregierung in Südafrika vor mehr als 20 Jahren ist wieder ein Weißer Staatschef in einem afrikanischen Land geworden. Nach dem Tod des sambischen Präsidenten Michael Sata in einem Londoner Krankenhaus am Dienstagabend übernahm am Mittwoch Vizepräsident Guy Scott zumindest vorübergehend die Macht in dem von riesigen Kupfervorkommen gesegneten Staat. Der 70-jährige Scott wurde in Sambia geboren, seine Eltern stammten aus Schottland.

Der pikanten historischen Fußnote war am Mittwochmorgen ein Tauziehen innerhalb der regierenden Patriotischen Front vorausgegangen. Verteidigungsminister Edgar Lungu, der bei der Abreise des erkrankten Sata nach London Mitte Oktober zum amtierenden Staatschef ernannt worden war, rief nach Bekanntwerden des Todes des Präsidenten um 5 Uhr morgens das Kabinett zusammen. Die Sitzung wurde jedoch von Generalstaatsanwalt Musa Mwenye unterbrochen, der die Minister darüber informierte, dass Scott die Regierung übernommen habe. Sambias Verfassung sieht vor, dass im Falle des Ausscheidens des Präsidenten dessen Stellvertreter die Macht übernimmt. Allerdings gibt es auch eine Bestimmung, wonach die Eltern des Staatschefs Sambier sein müssen. Nach Informationen des Onlinedienstes „Zambian Watchdog“ hatte Scott am Mittwochmorgen um 7 Uhr die Chefs der Sicherheitskräfte um sich versammelt, um sich ihrer Loyalität zu versichern. Der weiße Übergangspräsident wird allerdings nur für 90 Tage den knapp 15 Millionen Sambiern vorstehen. Spätestens dann müssen laut Verfassung Neuwahlen stattfinden. In den Onlinepublikationen Sambias wurde die Nachricht von dem neuen weißen Präsidenten mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Wie können wir 50 Jahre nach unserer Unabhängigkeit wieder von einem Kolonialisten regiert werden?“, empört sich ein Kommentator. „Wir sind ja keine Rassisten, aber dieser Weiße hätte erst gar nicht antreten sollen“, meint ein gewisser „JElc“. Dagegen zeigt sich „PC Always“ überzeugt, dass Scott „sambischer ist als wir alle zusammen“: Er wünsche dem „6. Präsidenten unseres Landes“ alles Gute.

Guy Scott wurde 1944 als Sohn eines schottischen Arztes im direkt an den Viktoria-Fällen gelegenen Livingstone geboren. Schon sein Vater trat für die Unabhängigkeit der Kolonie vom britischen Empire ein. Guy studierte Wirtschaftswissenschaften in Cambridge und promovierte in Erkenntnistheorie, später fügte er noch einen Doktor in Robotik hinzu.

Nach seiner Rückkehr arbeitete er im sambischen Finanzministerium und trat nach der Öffnung des Einparteienstaates 1992 in die Politik ein. Er war jahrelang Abgeordneter und Minister in verschiedenen Amtsbereichen und wurde nach der Wahl Satas im September 2011 zum Vizepräsidenten ernannt. Als er bei einer Begegnung mit George Bush als sambischer Vizepräsident vorgestellt wurde, dachte der einstige US-Präsident, es handele sich um einen Scherz.

Nach Informationen von Zeitungen in der Hauptstadt Lusaka soll auch Scott krank sein. Er selbst dementiert jedoch vehement, dass er an Parkinson leide. Scotts Vorgänger Sata ist nach Levy Mwanawasa der zweite sambische Präsident, der im Amt verstorben ist. Monatelang dementierte die Regierung, dass der einstige Kettenraucher Sata lebensgefährlich erkrankt sei. Eine geplante Rede vor der UN-Vollversammlung musste der 77-Jährige im September wieder absagen. Auch an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der sambischen Unabhängigkeit konnte der wegen seiner scharfen Zunge „King Cobra“ genannte Präsident nicht teilnehmen. Sata soll am Dienstag um 21 Uhr abends in der Londoner Luxusklinik King Edward VII einem Herzversagen erlegen sein. Seine und Guy Scotts „Patriotische Front“ soll derzeit heillos zerstritten sein. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie in 90 Tagen eine Wahl gewinnen kann.

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