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Guttenberg im Wortlaut "Den Überblick über die Quellen verloren"

FR-online.de dokumentiert den Teil der Rede von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vom 21. Februar in Kelkheim, in dem er sich ausführlich zu den Plagiatsvorwürfen äußert.

22.02.2011 13:00
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Kelkheim auf dem traditionellen Valentinstreffen der Christdemokraten. Foto: dapd

FR-online.de dokumentiert den Teil der Rede von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vom 21. Februar in Kelkheim, in dem er sich ausführlich zu den Plagiatsvorwürfen äußert.

„Ich habe in der Affäre um ,Plagiat Ja oder Nein’ an diesem, wie ich schon sagte, besonders gemütlichen Wochenende, mir auch die Zeit nehmen dürfen, nicht nur all das zu lesen, was da geschrieben wurde und was gesendet wurde, sondern mich auch noch mal mit meiner Doktorarbeit zu beschäftigen. Und nach dieser Beschäftigung, meine Damen und Herren, habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde.

Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende auch diese Arbeit intensiv noch einmal angesehen habe, und feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen. Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren? So ist es, dass man den Blick dann zurückwirft und feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der einen oder anderen Stelle, an der einen oder anderen Stelle auch zu viel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren.

Das ist eine Feststellung, die darf man treffen und die muss man treffen. Da gibt es ganz besonders peinliche Beispiele dabei, etwa dass dann auch noch die Frankfurter Allgemeine so prominent in der Einleitung einer Doktorarbeit erscheint. Das im Umfeld von Frankfurt eher schmeichelhaft, meine Damen und Herren, aber es ist weniger schmeichelhaft in einer Doktorarbeit. Und das sind selbstverständlich Fehler. Ich bin selbst auch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und deswegen stehe ich auch, und zwar öffentlich, zu diesen Fehlern, meine Damen und Herren. Ich bin auch ganz gern bereit, dies in die hier stehenden Kameras zu sagen.

Und ich sage ebenso, und das sage ich mit der notwendigen und mir in diesen Tagen gerne abgesprochenen Demut, auch die gehört übrigens zum politischen Handeln mit dazu, ich sage ebenso, dass ich mich von Herzen bei all jenen entschuldige, die ich mit Blick auf die Bearbeitung dieser Doktorarbeit verletzt habe. Das ist eine Entschuldigung, die von Herzen kommt und die als solche auch zu sehen ist.

Die Entscheidung, meinen Doktortitel nicht zu führen, schmerzt. Insbesondere, wenn man sechs, sieben Jahre seines Lebens daran gearbeitet hat. Insbesondere, wenn man weiß, was die Familie durchgemacht hat. Ich kann auch eines sagen: Ich habe diese Arbeit selber geschrieben, weil ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich darin geschrieben habe. (...)

Von daher ist es eine schmerzliche Entscheidung, aber es ist eine wichtige Entscheidung, weil es auch gleichzeitig darum geht, dass man bereits eingetretenen Schaden, etwa für eine Universität eingetretenen Schaden, bei meinem hoch geschätzten, honorigen Doktorvater und einem Zweitkorrektor auch entsprechend zu begrenzen weiß.“

Aufgezeichnet von Pitt von Bebenburg, mit freundlicher Unterstützung von hr-info.

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