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Guttenberg-Einladung Käßmann nach Kundus

Ein Protestanten-Rennen nach Afghanistan soll es nicht geben, auch wenn Verteidigungsminister Guttenberg die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann erneut einlud. Auf jeden Fall wird aber EKD-Ratsvorsitzende Schneider in Kürze an den Hindukusch reisen.

Die Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, in Wildbad Kreuth. Foto: dapd

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider wird in wenigen Wochen nach Afghanistan reisen. Der Besuch ist nach Rundschau-Informationen im Februar geplant. Die EKD bestätigte auf Anfrage einen Termin "im ersten Quartal" dieses Jahres. Das Verteidigungsministerium machte keine Angaben.

Am Mittwoch erneuerte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seine Einladung an Schneiders Vorgängerin Margot Käßmann, die zu Gast bei der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth war und ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz bekräftigte. Die Lage dort habe sich nicht gebessert.

Ihr Predigtwort "Nichts ist gut in Afghanistan" am Neujahrstag 2010 hatte zu einer heftigen Auseinandersetzung geführt. Guttenberg lud die Theologin damals ein, sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen. Auch jetzt betonte er: "Zeitungslektüre ersetzt nicht Erleben."

Nach Käßmanns Rücktritt vom EKD-Ratsvorsitz im Februar 2010 war der Besuch ihres Nachfolgers Schneider beim deutschen Isaf-Kontingent dann zunächst im Mai vorgesehen. Das Verteidigungsministerium stornierte die Reise aber kurzfristig und begründete dies mit der Gefahrenlage im Land. Schneider zeigte zwar Verständnis; Sicherheitsbedenken der Bundeswehr hätten Vorrang. Dennoch gab es in Kirchenkreisen Stirnrunzeln, denn nur drei Wochen nach dem abgesagten Termin besuchte der damalige Bundespräsident Horst Köhler die Truppe; Mitte April war Verteidigungsminister zu Guttenberg selbst in Afghanistan gewesen - ohne dass "Sicherheitsbedenken" dem im Wege gestanden hätten.

Ob sie der Einladung Guttenbergs Folge leistet, ließ Käßmann in der Schwebe. "Ich fahre schon mit, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. So ist das ja nicht", sagte Käßmann nach Angaben von Gesprächsteilnehmern. Sie verwies zugleich darauf, dass sie kein kirchliches Amt mehr bekleide. Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, es gebe noch keine konkreten Pläne.

In der EKD-Spitze war vorsorglich davon die Rede, dass beide Besuche sinnvollerweise "koordiniert" werden müssten. Ein Protestanten-Rennen nach Afghanistan soll es jedenfalls nicht geben. Auch ein Jahr nach Käßmanns Neujahrspredigt gehe es darum, der "anhaltend kritischen Haltung der EKD zum Afghanistan-Einsatz" Ausdruck zu verleihen, sagte eine Sprecherin in Hannover. Eine Begleitung der Reise durch den
Verteidigungsminister ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Für Schneider stünden persönliche Begegnung und Gespräch mit Soldaten und Militärseelsorgern im Vordergrund. Begleitet wird er vom evangelischen
Militärbischof Martin Dutzmann und vom EKD-Friedensbeauftragten Renke Brahms.

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