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Guido Westerwelle Adrett und bei Inhalten leidenschaftslos

Die erste Biographie über den FDP-Chef ist eine Fundgrube für alle, die Politik als Hort des Intrigantentums sehen. Von Thomas Kröter

Schon 48 - da wurde es ja höchste Zeit für eine Biografie: Guido Westerwelle. Foto: rtr

Berlin. Das Buch ist ein langsames Medium. Auch das aktuelle. Die erste Biografie über einen der Schnellsten in der deutschen Politik gipfelt in einer Pointe, die zur tagespolitischen Entwicklung eher quersteht. Der Autor eröffnet Guido Westerwelle die Perspektive des Außenministers in einer "Ampel"-Koalition aus SPD, Grünen und FDP.

Mal abgesehen davon, dass der Freidemokrat nicht müde wird, zu behaupten, dafür gebe es keine Grundlage; die Meinungsumfragen legen eine andere Erwartung nahe: Auch im Fünf-Parteien-Bundestag könnte es für eine Konstellation aus Union und FDP reichen. Der Frankfurter Journalist Majid Sattar blendet auch aus, wie fest der einst irrlichternde Westerwelle seine Partei ins bürgerliche Lage geschraubt hat. Die Voraussetzung dafür, dass seine Partei so erfolgreich CDU und CSU Stimmen abspenstig machen kann, dass sie es sogar in Bayern schafft, der so lange allein regierenden CSU eine Koalition abzutrotzen.

Pech gehabt. Ansonsten zeichnet der Autor akribisch das inzwischen auch schon 48-jährige Leben seines Probanden nach, der lange als Dauerjugendlicher des deutschen Parteienwesens durchging. Dabei fördert Sattar manche Einzelheit zutage, die noch nicht Allgemeingut ist - etwa, wie schmutzig es in der Küche des Hauses seiner Kindheit zuging. Kein Wunder, es handelte sich um eine mutterlose Männerwohngemeinschaft. Küchenpsychologen finden genug Stoff, um zu erklären, warum der erwachsene Guido W. immer so adrett aussieht.

Das Urteil des Autors unterscheidet sich nicht von dem, dass in der interessierten Öffentlichkeit seit langem Allgemeingut ist: "Ernsthafte Leidenschaft für die Sache und ein innerer Kompass, um den Pfad durch das Kleinklein der Politik zu finden, fehlen ihm", kritisiert Sattar. "Ihn treibt kein Thema, er treibt Themen."

So sind die 288 Seiten eine Fundgrube für alle, die Politik als Abfolge prinzipienarmer Intrigen sehen. Interessant die Behauptung, dass ausgerechnet der liberale Säulenheilige Hans-Dietrich Genscher stets Distanz zu Westerwelle gehalten habe, weil der sich "nicht zu sich selbst bekennt", sprich: sich lange nicht als Homosexueller geoutet hat.

Der Beschriebene wird übrigens anwesend sein, wenn das Buch am heutigen Freitag, passend zur Pointe, in Berlin von Frank-Walter Steinmeier vorgestellt wird. Guido Westerwelle liebt es, wenn über seine Absichten spekuliert wird. Wie sehr er das Rampenlicht braucht, beschreibt seine Biografie.

Majid Sattar: "und das bin ich!" Guido Westerwelle. Eine politische Biografie. Olzog, München 2009, 288 Seiten, 24,90 Euro

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