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Guatemala Rios Montt - Schlächter vor Gericht

Der Prozess gegen Rios Montt hat Signalwirkung: Erstmals steht ein früherer Diktator wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem einheimischen Gericht.

Efrain Rios Montt, ehemaliger Machthaber von Guatemala Foto: dpa

Seine Regentschaft dauerte nur 504?Tage, dann wurde er selbst gestürzt. Aber in der kurzen Zeit zwischen März 1982 und August 1983 erwarb sich der guatemaltekische Diktator Efrain Rios Montt den Ruf als mörderischster Herrscher Lateinamerikas. Seiner Tyrannei während des Bürgerkriegs schreiben Menschenrechtsorganisationen den Tod von 17.000 Oppositionellen, Linken und Indios zu. Damit hätte Rios Montt mehr Menschen auf dem Gewissen als Chiles Diktator Augusto Pinochet, der 17?Jahre herrschte.

Von Dienstag an muss sich der 86 Jahre alte Ex-Diktator wegen Völkermords und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Angeklagt ist Rios Montt aber nur für einen Bruchteil seiner Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 15 Massaker an den Ixil-Ureinwohnern vor, bei denen 1771 Menschen getötet wurden. Ebenfalls angeklagt ist der Chef seines damaligen militärischen Geheimdienstes, Jose Mauricio Rodriguez Sanchez.

Lange entzog sich Rios Montt der Strafverfolgung

Das Verfahren gegen die beiden wurde erst Ende Januar zugelassen: Über Jahre hatten Rios Montts Anwälte versucht, es zu verhindern. „Die Anklage gegen die Urheber dieser Horror-Verbrechen nach 30 Jahren ist ein Zeichen für den Mut und das Durchhaltevermögen der guatemaltekischen Menschenrechtsgruppen“, sagt Reed Brody von der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch. „Das Verfahren ist eine beachtliche Entwicklung in einem Land, in dem Straflosigkeit an der Tagesordnung ist.“

Damit steht erstmals ein früherer Diktator wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem einheimischen Gericht. Für den Anwalt Michael Mörth hat das Verfahren Signalwirkung für andere einstige Militärdiktaturen Lateinamerikas. Der deutsche Jurist arbeitet seit 1995 in Guatemala an der Aufklärung der Verbrechen während des Bürgerkriegs und ist strategischer Berater der Staatsanwaltschaft.

Lange Jahre entzog sich Rios Montt der Strafverfolgung. 2003 kandidierte er sogar erfolglos bei den Präsidentenwahlen. Bis Ende 2011 war er durch Immunität als Parlamentsabgeordneter vor Strafverfolgung geschützt. Erst im Januar 2012 konnte die Justiz ein formelles Strafverfahren eröffnen, nachdem Rios Montt ausdrücklich von der nach dem Bürgerkrieg erlassenen Amnestie ausgenommen wurde. Wegen seines hohen Alters muss er nicht in Untersuchungshaft, sondern steht unter Hausarrest.

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