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Guano-Ersatz Diplomatie im Sonderangebot

Der Inselstaat Nauru erkennt Abchasien an. Dazwischen liegen 14.000 Kilometer. In den Kaukasus hat den Minister von Nauru daher eher das Geld gelockt. Von Christoph Albrecht-Heider

17.12.2009 00:12
Christoph Albrecht-Heider

Zwischen Nauru und Sochumi, dem Pazifik-Atoll und der Hauptstadt von Abchasien, liegen 14.000 Kilometer. Kieren Keke, 38, hat die lange Reise auf sich genommen, weil er seiner Heimat helfen will und muss. Wenn man den Spekulationen glauben kann, hat sich Kekes Interkontinentalflug gelohnt, denn dafür, dass er in Sochumi ein Dokument unterschrieb, soll Russland Nauru viele Millionen Euro - von 33 ist die Rede - zugesagt haben. Und wenn man die Umstände genauer betrachtet, wüsste man auch nicht zu sagen, welch anderer Grund Keke in den Kaukasus verschlagen haben könnte als der, sich von Moskau eine Gefälligkeit bezahlen zu lassen.

Der Freundschaftsdienst besteht darin, dass Nauru, die kleinste Republik der Welt, Abchasien als Staat anerkennt. Die Provinz hat sich, unter dem Einfluss Russlands, von Georgien losgesagt, ein Vorgang, den bisher außer Russland selber nur Venezuela und Nicaragua anerkennen - und jetzt eben der Zwergstaat aus den Weiten des Stillen Ozeans. Keke hat überdies vor Ort versichert, er wolle sich auf den pazifischen Nachbarinseln für eine Anerkennung Abchasiens einsetzen.

Nauru ist praktisch pleite. Der Staatshaushalt der Insel, die 1968 von Australien in die Unabhängigkeit entlassen wurde und von rund 13000 Menschen bewohnt wird, basiert mittlerweile weitgehend auf einer einzigen Einnahmequelle. Australien bringt Asylbewerber auf dem Eiland unter und bezahlt dafür. Das ist natürlich keine Dauerlösung, weshalb Nauru versucht, Diplomatie zu Geld zu machen.

Da trifft es sich, dass Keke, ein studierter Mediziner, in Personalunion auch Handels- und Finanzminister ist. Im Übrigen kann er aus der Arbeit seiner Vorgänger lernen, denn Nauru hat sich sowohl von China dafür bezahlen lassen, dass es 2002 die Beziehungen zu Taiwan abbrach, als auch drei Jahre später von Taiwan für die Wiederaufnahme der Beziehungen.

Die Bewohner Naurus verdanken ihre Armut mangelnder Umsicht. Sie lebten in Saus und Braus, solange Guano - vulgo: Vogelscheiße - sich gut verkaufen ließ, denn davon besaß die Insel im Übermaß. Doch vor einigen Jahre war der Naturdünger abgebaut. Die Bevölkerung, die zeitweise das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen auf der Erde besaß, hatte die Überschüsse konsumiert respektive falsch investiert.

Die Akquise von Außenminister Keke muss also weitergehen. Er soll im Übrigen während der Kaukasus-Mission auch Süd-Ossetien anerkannt haben.

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