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Grünen-Parteitag Papandreou mit triumphalem Comeback

Als Ministerpräsident von Griechenland ist Georgios Papandreou gescheitert - doch als leidenschaftlicher Europäer reißt er die Grünen auf deren Parteitag mit sich. Die Einladung ist ein pro-europäisches Bekenntnis der Partei.

Giorgos Papandreou mit grüner Begeisterung - und Plastik-Ente. Foto: dpa

Als Ministerpräsident von Griechenland ist Georgios Papandreou gescheitert - doch als leidenschaftlicher Europäer reißt er die Grünen auf deren Parteitag mit sich. Die Einladung ist ein pro-europäisches Bekenntnis der Partei.

Der Politiker hat keine Macht mehr. Als Ministerpräsident von Griechenland ist Georgios Andrea Papandreou tragisch gescheitert. Doch als leidenschaftlicher Europäer erlebt der 59-Jährige beim Grünen-Parteitag in Kiel ein triumphales Comeback. Minutenlang spenden die Delegierten dem Gast im feinen dunkelblauen Anzug stehend Beifall. „Kalispera Jorgo“, hat ihn Grünen-Chef Cem Özdemir herzlich begrüßt: Herzlich willkommen!

In gewisser Weise schließt sich für den ehemaligen griechischen Regierungschef damit ein Kreis. Das letzte Mal, berichtet er, sei er vor 35 Jahren in Kiel gewesen. Damals lebte er während der griechischen Militärdiktatur in Schweden und reiste öfter nach Deutschland, um für die Demokratie in seiner Heimat zu werben. Bei diesem Besuch wurde er einen ganzen Tag an der dänisch-deutschen Grenze festgehalten, weil man ihn für einen Terroristen hielt. „Das war Europa vor vielen Jahren. Wir dürfen nicht in die Kleinstaaterei zurückfallen!“, ruft Papandreou den Delegierten zu.

Die persönliche Freundschaft zwischen Özdemir und Papandreou war Auslöser für die Einladung des griechischen Gastes nach Kiel. Doch der Auftritt des Gastes auf dem Grünen-Parteitag ist mehr als ein pro-europäisches Bekenntnis. Papandreou leitet als Vorsitzender die Sozialistische Internationale, und so gerät seine Rede auch zu einem engagierten Plädoyer für Rot-Grün.

Papandreou erinnert an die schwierige Lage, in der er 2009 die Regierung seines hochverschuldeten Landes von den Konservativen übernahm. „Griechenland ist kein armes Land, sondern ein schlecht geführtes Land.“ Er bedauere sehr, dass seine Regierung mit den erforderlichen Reformen nicht vor der Krise habe beginnen können. Gleichwohl seien in Athen harte Spareinschnitte beschlossen worden, betont Papandreou. Mit dem 50-prozentigen Schuldenschnitt gebe es eine Chance, der Misere zu entkommen.

„Aber mit Sparen alleine werden wir die Krise nicht lösen können“, wendet der Redner ein: „Wir brauchen eine Wachstumsstrategie.“ Besonders in umweltfreundliche Technologien müsse investiert werden: „Griechenland wird wettbewerbsfähig sein, wenn es eine grüne Wirtschaft wird“, ruft der Redner in perfektem Englisch in den Saal. Die Delegierten applaudieren begeistert. Das Geld für solche Investitionen, fordert Papandreou wie die Grünen, müsse mit einer Finanztransaktionssteuer aufgebracht werden. Ohnehin müsse der Finanzsektor dringend reguliert werden. Was bisher geschehen sei, halte er für „too little and too late“.

„Wir brauchen ein demokratischeres Europa“, fordert Papandreou. Als Beispiel für eine stärkere Einbeziehung der Bevölkerung nennt er seinen Vorschlag eines Referendums in Griechenland, der freilich die anderen europäischen Staatschefs verärgerte und im eigenen Land auf keine Gegenliebe stieß. Europa, betont er, bedeute für ihn Vielfalt: „Multikulti ist kein schmutziges Wort!“ So gerät das leidenschaftliche Plädoyer des tragischen Staatsmanns für die Einigung des Kontinents zugleich zu einem rot-grünen Bekenntnis: „Die Roten und die Grünen müssen gemeinsam mit anderen fortschrittlichen Kräften gegen die dominierende konservative Stimmung in Europa mit nationalistischen Untertönen angehen.“

Grünen-Chefin Claudia Roth applaudiert begeistert. Daniel Cohn-Bendit fällt dem Gast um den Hals. Der Saal jubelt. Wenn es nach den Grünen ginge, wäre Georgios Andrea Papandreou noch im Amt. Doch dafür ist es zu spät. Und auch für die Rettung Europas wird die Zeit zunehmend knapp.

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