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Grüne „Wir müssen eine Machtoption schaffen“

Die Grünen sind in einem anhaltenden Umfragehoch. Ihr Bundesvorsitzender Robert Habeck sieht darin den Arbeitsauftrag für einen gesellschaftlichen Wandel.

18.08.2018 08:36
Robert Habeck
Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, will einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess mitgestalten. Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Knapp ein Jahr nach der Bundestagswahl stehen die Grünen nach Ansicht ihres Bundesvorsitzenden Robert Habeck vor einer strategischen Herausforderung. „Wir müssen das politische Spektrum in die liberale, demokratische Mitte zurückkämpfen. Wir müssen eine erkennbare Machtoption schaffen, die nicht national oder antieuropäisch ist“, sagte der schleswig-holsteinische Umweltminister.   

„Die Aufgabe besteht jetzt darin, eine neue Leidenschaft für eine offene, mutige, inklusive Gesellschaft zu entfachen, die sich Wandlungsprozesse zutraut, sich nicht verschanzt, Leute einbezieht und ihnen Anerkennung gibt.“ Er sehe er im Moment einfach nicht, wie die SPD diese Leidenschaft aufbringen könne. Das sei die Aufgabe der Grünen, so Habeck. 

Das anhaltende Umfragehoch für die Grünen ist für Habeck zuallererst einen Arbeitsauftrag. „Es geht darum, Vertrauen in die Politik neu zu begründen. Wir brauchen als Gesellschaft Kraft für die Veränderungen, die auf uns zukommen: Digitalisierung, Globalisierung, Klimakrise und wo weiter.“

CDU und SPD klammern sich aneinander 

Für ein Jamaika-Bündnis mit Union und FDP sieht er derzeit keine Chance, da die CSU in ihrem jetzigen Zustand kein Koalitionspartner sein könne. „Mit Ansagen wie „Wir brauchen ein Germany first und weniger Europa“ und „Wir wollen AfD-Politik selber machen“ ist das ausgeschlossen.“

Er gehe derzeit aber auch davon aus, dass die Koalition aus Union und SPD bis 2021 durchhält, sagte Habeck. „Weil Ertrinkende sich aneinander klammern.“ Bei Neuwahlen hätten die Koalitionsparteien so viel zu verlieren, dass sie diese vermeiden wollen.

Achsenverschiebung in der politischen Debatte

Politischer Hauptgegner der Grünen sei ganz klar die AfD, sagte er. Eine große Schwäche der Volksparteien könne sich eigentlich keiner wünschen. „Wir brauchen eine starke Sozialdemokratie, und wir brauchen eine sortierte konservative Kraft, die sich klar in der Mitte vom Nationalismus abgrenzt. Aber die meisten Parteien wirken gerade sehr unsortiert.“ Das liege im Kern an einer Achsenverschiebung in der politischen Debatte: „Im Mittelpunkt steht jetzt weniger die Frage wie wirtschaftsliberal und wie sozial Politik ist, sondern wie proeuropäisch, wie nationalistisch, wie liberal oder autoritär.“ Das zerreiße fast alle Parteien. „Man sieht es bei der Linken, bei SPD und Union, und die FDP eiert da auch.“

Deswegen formiere sich das Parteiensystem gerade neu, sagte Habeck. Deutschland erlebe eine Prüfung seiner Demokratie. „Welche Parteien am Ende wo stehen werden, das weiß jetzt noch niemand. Aber es gilt jetzt, mit aller politischen Kraft dafür zu kämpfen, dass die Prinzipien dieser Republik diese Phase überstehen.“ (dpa) 

 

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