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Großbritannien Terrorverdacht in London

Bei einer Amokfahrt in Westminster werden mehrere Menschen verletzt - der Vorfall erinnert an den Anschlag von 2017.

London
Der Tatort: Der Amokfahrer sei „keineswegs in Panik“ gewesen, sondern „voll konzentriert“, berichtet ein Augenzeuge. Foto: rtr

Zu neuer Nervosität in London hat am Dienstag eine Amokfahrt vor dem britischen Parlament geführt, die eine volle Anti-Terror-Reaktion Scotland Yards auslöste und die britische Metropole kurzfristig in Alarmzustand versetzte. Der Fahrer eines silbernen Ford Fiesta war in eine Gruppe von Radfahrern und Fußgängern gerast. Der Wagen, der angeblich vorn kein Nummernschild trug, fuhr anschließend in hohem Tempo in die Sicherheitsanlagen vor dem Parlamentsgebäude und prallte gegen eines der dortigen Bollwerke. Bewaffnete Polizisten umringten das Fahrzeug in Sekundenschnelle, untersuchten den Wagen nach Sprengstoff und führten den Fahrer in Handschellen ab.

Während mehrere Verletzte erst vor Ort behandelt und dann in nahe Krankenhäuser transportiert wurden, riegelten die Sicherheitskräfte ein weites Gelände im Parlaments- und Regierungsviertel ab. Die Absperrung umfasste die Regierungszentrale in Downing Street und wichtige Ministerien. Die U-Bahn-Station Westminster wurde geschlossen. Auch das Oberste Gericht schloss vorsichtshalber seine Tore für die Öffentlichkeit.

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Die britische Terrorabwehr übernahm unmittelbar die Sicherung des Viertels und alle Ermittlungen. Die Polizei sprach in aller Form von einem „Terrorakt“. Weder Bomben noch andere Waffen wurden allerdings gefunden. Der Urheber der Aufregung, teilte die Polizei mit, sei Ende 20. Er soll aus Birmingham stammen. Außer ihm war niemand in dem Wagen.

Über die Motive des Verhafteten wurde zunächst noch gerätselt. Beim Verhör weigerte sich der Mann, irgendwelche Auskünfte zu geben. Experten fragten sich, ob er psychisch krank sein könnte. Scotland Yards Anti-Terror-Chef Neil Basu ging zunächst einmal nicht von Komplizen oder von anderen bevorstehenden Aktionen aus. Im Augenblick gebe es „keine Hinweise auf weitere Gefahr“ für London, sagte Basu.

Der Palast von Westminster, der Sitz des britischen Parlaments, ist das wohl bestbewachte Gebäude im Vereinigten Königreich. Die Sicherheitsvorkehrungen sind seit 9/11 – also seit dem Jahr 2001 – immer weiter verstärkt worden. Spezielle Bollwerke sollen selbst Schwerlastern Widerstand leisten können. Eine hohe Präsenz bewaffneter Polizisten ist zur Abschreckung gedacht und zum schnellen Eingreifen da.

Das Parlament selbst tagt zurzeit freilich nicht. Die Abgeordneten sind im Sommerurlaub. Premierministerin Theresa May, die ebenfalls Ferien macht, dankte der Polizei für den schnellen Einsatz. Am frühen Nachmittag kam das Katastrophen-Kabinett ohne May in Downing Street zusammen.

Erhöhte Nervosität hatte der Vorfall ausgelöst, weil im März vergangenen Jahres ein 52-Jähriger mit seinem Wagen auf der Westminster Bridge vier Fußgänger getötet hatte. Bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde, erstach er einen Wachpolizisten am Eingang zum Parlamentsgebäude.

Zum gestrigen Vorfall sagten Augenzeugen, sie hätten den Fahrer „mit Top-Geschwindigkeit“ in die Radfahrer rasen sehen, „die an einer Ampel warteten“. Der Vorfall ereignete sich mitten in der Rush Hour, kurz nach halb acht Uhr morgens. Der Fahrer, berichtete ein Passant, der den Vorgang verfolgte, sei „keineswegs in Panik“ gewesen, sondern „voll konzentriert“. Eine der angefahrenen Personen, eine Frau, lag am Dienstag noch mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen in der Klinik. Indes marschierten an vielen öffentlichen Plätzen zusätzliche Sicherheitskräfte auf.

Der Bürgermeister der britischen Hauptstadt, Sadiq Khan, sagte: „Alle Londoner verurteilen, wie ich selbst, alle terroristischen Akte gegen unsere Stadt.“ Die Bewohner Londons sollten sich „nicht ängstigen“, wenn sie mehr Polizei auf den Straßen sähen. US-Präsident Donald Trump, der den Moslem Khan schon bei früheren Anlässen übel beschimpft hatte, twitterte: „Noch eine Terrorattacke auf London... Diese Tiere sind verrückt, die muss man sich mit Härte und Stärke vornehmen.“

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