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Grossbritannien Noch ein Referendum?

EU-Feind Farage denkt über eine neue Brexit-Kampagne nach, um es seinen Gegnern so richtig zu zeigen. Die aber erwarten ein Votum zugunsten der EU.

Nigel farage
Ex-UKIP-Boss Nigel Farage muss im Mittelpunkt stehen. Foto: afp

Kann der Brexit doch noch abgewendet werden? Der Hoffnung britischer Pro-Europäer hat jetzt ausgerechnet Nationalpopulist Nigel Farage Auftrieb verliehen. „Vielleicht sollten wir ein zweites Referendum durchführen“, sagte der frühere Chef der EU-feindlichen Ukip. Während der Brexit-Vorkämpfer mit erneuter Zustimmung für seine Position rechnet, lassen jüngste Umfragen das Gegenteil erwarten: Einer am Freitag veröffentlichten Comres-Befragung zufolge würden die Briten derzeit mit 55:45 Prozent für den Verbleib in Europa stimmen.

Bisher hatten sich Demoskopie-Experten wie Politologe John Curtice von der Glasgower Strathclyde-Universität skeptisch über eine zweite Volksabstimmung geäußert. Zum einen habe sich die Stimmung seit dem 52:48 Prozent-Ergebnis vor achtzehn Monaten nicht wesentlich verändert; zum anderen erwarte jeder eine monate-lange bittere Kampagne vor einem zweiten Votum – worauf niemand Lust habe.

Theresa May bleibt auf Kurs

Tatsächlich deuteten die Umfragen bisher darauf hin, dass nur rund 25 Prozent der Briten nochmal abstimmen wollten. Die Comres-Befragung für das Labour-nahe Boulevardblatt „Daily Mirror“ ermittelte immerhin 43 Prozent Abstimmungswillige, dem Konkurrenzunternehmen Yougov sagten sogar fast 50 Prozent, sie wollten ihre Meinung zum Austrittsdeal der Regierung per Stimmzettel äußern.

Die Briten hätten „alles Recht dazu, ihre Meinung zu ändern“, sagen übereinstimmend der frühere Premier Tony Blair, dessen langjähriger Mitarbeiter und Ex-Verkehrsminister Andrew (Lord) Adonis sowie Labours Nachwuchshoffnung Chuka Umunna. Hingegen sträubt sich Oppositionsführer Jeremy Corbyn, ein eingefleischter EU-Skeptiker, weiter gegen die Möglichkeit, das knappe Votum von 2016 erneut auf den Prüfstand zu stellen.

Ukip-Mann Farage ruderte am Freitag im „Daily Telegraph“ zurück: Er fordere nicht aktiv eine zweite Abstimmung; die Brexit-Befürworter müssten aber damit rechnen und sich auf eine zweite Kampagne vorbereiten. „Denn die EU-Freunde werden nie, nie, nie aufgeben.“

Derweil bleibt die Tory-Regierung von Theresa May auch nach ihrer Kabinettsumbildung vom Wochenbeginn auf hartem Brexit-Kurs samt Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion. Bei den nächsten Verhandlungen werde sie den Finanzsektor als Priorität behandeln, versicherte die Regierungschefin einer Gruppe hochkarätiger Banker, darunter Deutsche-Bank-Chef John Cryan und UBS-Chairman Axel Weber.

In Brüssel kursieren Vorschläge, um einzelnen Branchen auch nach dem EU-Austritt in 15 Monaten gegen Bezahlung noch einen gewissen Zugang zum Binnenmarkt zu garantieren. Bislang hat London nur um eine Übergangsphase bis Ende 2020 gebeten. In dieser Zeit nimmt die Insel weiterhin alle Pflichten eines EU-Mitglieds einschließlich Milliardenzahlungen in den EU-Haushalt wahr, aber ohne Mitspracherecht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Großbritannien

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