Lade Inhalte...

Großbritannien Donald Trump auf Krawall-Tour

1. UpdateErst herumschubsen, dann lächeln, dann wieder austeilen - US-Präsident Donald Trump wird seinem Ruf gerecht.

Demonstration in London
Bunt gegen den US-Präsidenten: Trump-Kritiker in London. Foto: afp

Der Präsident selbst weiß so viel Entgegenkommen zu schätzen. Bei der Pressekonferenz nach seinen Gesprächen mit May auf deren Landsitz Chequers (Grafschaft Buckinghamshire) überhäuft Trump die Gastgeberin mit Komplimenten: May sei „ganz besonders“, er empfinde große Zuneigung für sie. Neben der mit stoischer Miene zuhörenden Regierungschefin schwärmt der großspurige New Yorker von den „sehr, sehr starken Beziehungen“ zwischen den beiden Staaten. Dass es grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung der Nato und des Welthandels gibt, dass die Premierministerin kürzlich auch öffentlich die Behandlung illegaler Einwanderer in den USA kritisiert hatte – alles vergeben und vergessen.

Nur einmal prallen die diametral unterschiedlichen Weltsichten des US-Populisten und der britischen Konservativen aufeinander. Die Einwanderung der vergangenen Jahrzehnte sei „schlecht gewesen für Europa“, behauptet der Amerikaner pauschal und setzt erkennbar Immigranten mit Terroristen gleich. Hingegen bekräftigt May: „Alles in allem war die Einwanderung gut für unser Land. Die Kontrolle über unsere Grenzen gehört dazu.“

Trump bekommt wenig mit von den Protesten

Trumps erster offizieller Termin auf der Insel war am Donnerstagabend ein Besuch auf Schloss Blenheim bei Oxford, dem Geburtsort des berühmten Weltkrieg-Premiers Winston Churchill (1874-1965). Dort wurden der Präsident und seine Gattin Melania von May und ihrem Mann Philip mit militärischen Ehren empfangen, ehe beide Paare mit Industrievertretern schottischen Lachs, englisches Beef und Erdbeeren mit Sahne verzehrten. Bei dem Gala-Dinner habe Trump höchst positiv über die künftigen Handelsbeziehungen zwischen den beiden Atlantik-Anrainern gesprochen, teilte Außenhandelsminister Liam Fox mit.

Das klang in Trumps Sun-Interview ganz anders. Die vor Wochenfrist festgelegte weichere Brexit-Linie, die den Rücktritt Johnsons sowie des Brexit-Ministers David Davis nach sich gezogen hatte, mache den ins Auge gefassten Freihandelsvertrag unmöglich, heißt es darin. „Wir müssten ja wieder mit der EU verhandeln anstatt mit dem Vereinigten Königreich“, gab Trump zu bedenken. Tatsächlich wünschen sich die Briten eine Freihandelszone für Güter mit der EU; dafür wollen sie „ein gemeinsames Regelwerk“, also die EU-Regeln, anwenden.

Weil Brexiteers innerhalb und außerhalb der konservativen Fraktion dagegen Sturm laufen, stellen Trumps Äußerungen Wasser auf deren Mühlen dar. Keiner der EU-Feinde hingegen will die eklatante Einmischung in die britische Innenpolitik verurteilen, ganz anders als vor gut zwei Jahren, als der damalige Präsident in den Referendumskampf eingegriffen hatte. “Freunde und Verbündete sollten zusammenhalten”, schrieb Barack Obama damals den Briten ins Stammbuch; die EU vermindere den britischen Einfluss nicht, sondern vergrößere ihn. Brexit-Vorkämpfer Boris Johnson führte damals Obamas Haltung auf dessen “halb-kenianische Herkunft und Abneigung gegenüber dem britischen Empire” zurück.

Der Amtsinhaber feiert an diesem Wochenende seine halb-schottische Herkunft - Trumps Mutter wanderte einst von der Isle of Lewis in die USA aus – bei einem Besuch auf seinem Golfplatz bei Glasgow. Am Freitag rundete eine Tasse Tee mit Queen Elizabeth II auf Schloss Windsor das gut 24-stündige Besuchsprogramm des Präsidentenpaares ab.

Hingegen dürfte Trump von den Protesten gegen seine Person und Politik wenig mitbekommen haben. Zehntausende von Briten demonstrieren am Freitag und Samstag in London, Glasgow und Edinburgh gegen die Anwesenheit des Staatsgasts, geleitet von einem sechs Meter hohen Heliumballon in Form eines zornigen Trump-Babys in Windeln.

Es habe „keine rechtliche Möglichkeit“ gegeben, dem Antrag der Trump-Gegner einen Riegel vorzuschieben, hatte Londons Bürgermeister Sadiq Khan seine Genehmigung für die unfreundliche Geste gerechtfertigt. Das ist allenfalls die halbe Wahrheit. Khan dürfte durchaus Spaß gehabt haben an dem ebenso albernen wie aus dem Herzen kommenden Protest gegen den Herumschubser, den Bully, im Weißen Haus. Der reagiert beleidigt. Im Sun-Interview wiederholt Trump, was er via Twitter schon mehrfach zum Besten gegeben hatte: Kahn verhalte sich wenig gastfreundlich, sei aber viel zu nachgiebig gegenüber islamistischen Terroristen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Brexit

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen