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Großbritannien Couragiert im Kampf gegen den Brexit

Die kluge Finanzmanagerin Gina Miller streitet für ein zweites Referendum – ein Porträt.

Rise“ heißt kurz und bündig Gina Millers neues Buch – was man mit „Aufstieg“ übersetzen oder als Aufforderung zum „Aufstehen“ verstehen kann. Eigentlich kein schlechter Name für eine neue politische Bewegung in Zeiten von Emmanuel Macrons „En Marche“ und den italienischen „Cinque Stelle“.

Tatsächlich ist die aus dem südamerikanischen Guyana stammende Britin Miller (53) ein hochpolitischer Mensch. Als Vermögensverwalterin im Londoner Finanzzentrum City eckte sie an mit einer Kampagne gegen die „legalisierte Plünderung“ von Pensionsfonds durch die großen Banken und musste sich in Anlehnung an die Giftspinne als „Schwarze Witwe“ beschimpfen lassen. Für die oppositionelle Labour-Party schrieb sie 2015 mit am Programm für die später verloren gegangenen Parlamentswahlen. Und schließlich engagierte sie sich früh für einen Verbleib von Großbritannien in der EU vor dem Referendum im Juni 2016.

Dass sie anschließend vor Gericht zog, um die Beteiligung des Londoner Parlaments am Austrittsprozess zu erzwingen, hat die kluge Frau ins Rampenlicht der Öffentlichkeit katapultiert. Der Oberste Gerichtshof des Königreichs gab Miller und ihrer Kanzlei Mishcon de Reya Recht und fügte damit der Regierung von Theresa May eine blamable Niederlage zu. Die hatte sich auf das „königliche Vorrecht“ berufen und damit Termin und Konditionen des EU-Austritts allein bestimmen wollen. Auf die Blamage reagierten fanatische EU-Hasser und die sie unterstützenden Medien giftig. Rechte Boulevardblätter wie „Sun“ und „Daily Mail“ sprachen von einer „fremden Elite“ – Miller ist dunkelhäutig – und streuten allerlei anzügliche Gerüchte über die toughe Finanzmanagerin. 

Massiv angefeindet

Fanatische EU-Hasser drohten ihr in den sozialen Netzwerken mit einer Massenvergewaltigung und Enthauptung. Millers drei Kindern, darunter eine behinderte Tochter, werde man „die Kehle durchschneiden“.

Ob sie zwischendurch aufgeben wollte? Natürlich habe sie manchmal im stillen Kämmerlein geweint und sich um die Kinder Sorgen gemacht, sagt die stets elegant gekleidete Frau („Ich trage meine Kleider als Rüstung“). Aber hinschmeißen? „Je schlimmer man mich beleidigt, desto härter kämpfe ich.“

Ihr Engagement gilt nun einem zweiten Brexit-Referendum, bei dem Miller drei Optionen zur Wahl stellen will: die für den Herbst in Aussicht gestellte Vereinbarung zwischen Regierung und EU, den als „No Deal“ bekannten Chaos-Brexit und den EU-Verbleib, der aber an Reformen geknüpft sein soll. Wenn man sie fragt, warum ein neues Referendum anders ausgehen solle als vor zwei Jahren, dann verweist Miller auf die damaligen Abstimmungsmuffel sowie auf rund zwei Millionen junge Menschen, die seither volljährig geworden sind und statistisch gesehen der EU viel positiver gegenüberstehen als über 65-Jährige. Nach vielen Reisen durchs Land wisse sie: „Die Stimmung hat sich definitiv verändert.“

Um die Führung der kleinen liberaldemokratischen Partei bewerben, wie es kürzlich in Zeitungen zu lesen war, will sich die eloquente Finanzmanagerin nicht: „Die Parteipolitik ist nichts für mich.“ Aber vielleicht Chefin von „Rise“? Eine neue politische Bewegung sei gewiss möglich, sagt Miller. „Aber zunächst müssen wir die Brexit-Schlacht schlagen.“

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