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Grönland stimmt für Aleqa Hammond Jägerstochter wird Regierungschefin

Sie war die Finanzministerin die ihren Job hinwarf aus Protest gegen Geldverschwendung. Jetzt gewinnen die Sozialdemokraten mit ihr die Wahlen in Grönland: Aleqa Hammond stammt aus einer traditionellen Jägerfamilie.

Aleqa Hammond beschert den Sozialdemokraten der Siumut Partei in Grönland eine Rekordstimmenzahl. Foto: dpa

Als sie geboren wurde, so erzählt Aleqa Hammond mit dem ihr eigenen trockenen Humor, habe ihre Mutter „tagelang geweint“, nicht aus Freude über die Erstgeborene, sondern „weil doch alle blaues Babyzeug gestrickt hatten“. In einer traditionellen Jägerfamilie aus Uummannaq im Nordwesten Grönlands war ein Mädchen nicht eben Wunschkind. 47 Jahre später hat Aleqa bewiesen, dass doch etwas aus ihr wurde, auch wenn sie den Hundeschlitten, mit dem ihr Vater tödlich verunglückte, als sie sieben war, gegen die Schulbücher eintauschte. Mit 6818 persönlichen Stimmen, der höchsten in Grönland je registrierten Zahl, hat die Sozialdemokratin ihre Partei Siumut (Vorwärts) zum Wahlsieg geführt und soll nun als erste Frau an die Spitze der Naalakkersuisut treten, wie die Grönländer die Regierung der autonomen Selbstverwaltung nennen.

42,8 Prozent der Stimmen und 14 von 31 Mandaten sind ein stolzes Comeback für die Siumut, die Grönland regiert hatte, seit sich die Insel 1979 mit einer Teilautonomie von Dänemark löste, die bei den letzten Wahlen vor vier Jahren aber wegen Korruption und Vetternwirtschaft abgestraft wurde. Nach dem Debakel waren die alten, männlichen Seilschaften durch eine neue Generation entmachtet worden, angeführt von Hammond, die ein Jahr davor als Finanzministerin aus Protest gegen den unverantwortlichen Umgang mit öffentlichen Geldern zurückgetreten war und daher ohne den Makel der Mitschuld vor die Wähler treten konnte.

Rekordstimmenzahl für Hammond

Während der sozialistische Regierungschef Kuupik Kleist zuletzt die Verwaltung reformierte und die legalen Grundlagen für die Ausbeutung der reichen Rohstoffe schuf, prangerte Hammond als Oppositionsführerin vor allem soziale Missstände an. Kleist trat weltgewandt in Kopenhagen, Washington und Peking auf, Hammond fuhr in die entlegenen Siedlungen der riesigen Insel und hörte auf die Klagen der Leute. Dies dankten sie ihr jetzt mit der Rekordstimmenzahl. Für Grönlands Rohstoffpolitik bedeutet der Regierungswechsel Veränderungen, aber keine Revolution. Auch Hammond will die Bodenschätze ausbeuten, um dem jetzt noch stark von dänischen Subventionen abhängigen Grönland den Weg in die Selbständigkeit zu ermöglichen, von der sie glaubt, dass sie „noch zu meiner Lebenszeit“ kommen werde.

Chinesische Billigarbeiter

Doch Hammond ist skeptisch gegenüber dem kürzlich beschlossenen Gesetz, das Minengesellschaften den Einsatz chinesischer Billigarbeitskraft ermöglicht. Sie ist bereit, das Verbot für die Gewinnung von Uran zu lockern. Und sie will die Unternehmen, die sich in der Rohstoffausbeutung engagieren, nicht erst besteuern, wenn sie Profite machen, sondern Abgaben auf jede geförderte Tonne Erze und Mineralien erheben, was nach Ansicht Kleists die Firmen von Investitionen in den grönländischen Untergrund abschrecken werde. Hammond kontert, dass die alte Regierung den Reichtum zu billig verschleudern wollte.

Sie mache große Versprechen, aber für die Umsetzung fehle das Geld, kritisieren ihre Gegner, wenn die Siumut-Chefin Programme für die Arbeitslosen, die Fischer und den Wohnbau ankündigt. Doch niemand zweifelt an ihrem eisernen Willen. Als sie 15 war, sagte sie, sie wolle um die Welt reisen, zehn Jahre später hatte sie 50 Länder besucht. Sie spricht sieben Sprachen, hat die Handelsschule gemacht, in Kanada studiert, im Fremdenverkehr und der Verwaltung gearbeitet. Erst mit 40 stieg sie in die Politik ein, wurde auf Anhieb gewählt und gleich Familien- und Justizministerin. Jetzt soll sie ihr Land in eine neue Ära führen, in der Grönland mit seinen nur 57.000 Einwohnern dank seines Rohstoffreichtums großen Wohlstand ernten, aber auch zum Spielball von Großmachtinteressen werden kann.

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