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Griechenland Drei Flüchtlinge sterben am Grenzfluss Evros

Griechische Beamte hatten sie zur Rückkehr in die Türkei gezwungen, wo sie wohl erfroren. Von „systematischen Pushbacks“ ist die Rede.

Flüchtlingslager
Griechische Flüchtlingslager wie Moria auf der Insel Lesbos sind überfüllt Foto: imago

Schwere Vorwürfe gegen griechische Grenzpolizisten: Sie sollen drei Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland kamen, zur Rückkehr über den Grenzfluss Evros gezwungen haben. Auf der türkischen Seite der Grenze fand man diese Woche ihre Leichen. Die drei Männer sind vermutlich erfroren.

Seit Jahren gibt es immer wieder Berichte, wonach griechische Grenzpatrouillen am Evros (türkisch: Meric) Migranten zur Rückkehr in die Türkei zwingen. Auch aus der Ägäis gibt es solche Meldungen. Das berüchtigte Pushback ist völkerrechtlich verboten. Die griechischen Behörden haben stets bestritten, dass es diese Praxis gibt. Jetzt erregt ein neuer Verdachtsfall großes Aufsehen in den türkischen Medien.

Diese Woche wurden in den grenznahen türkischen Dörfern Serem, Akcadam und Adasarhanli die Leichen von drei Flüchtlingen gefunden. Sie waren vermutlich erfroren. Näheres soll eine Obduktion klären. Unterdessen nahm die türkische Polizei einen Afghanen im Grenzgebiet fest. Er war nach eigenen Angaben mit einem der drei tot aufgefundenen Männer über den Fluss nach Griechenland gekommen. Dort wurden sie von der Polizei aufgegriffen und mit zwei Booten über den Fluss ans türkische Ufer zurückgebracht, berichtete der 29-Jährige laut der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die griechischen Behörden haben sich zu dem aktuellen Fall bisher nicht geäußert. Aber die Berichte über solche Pushbacks häufen sich. Die türkische Nachrichtenagentur Demirören berichtete von 713 Migranten, die in jüngster Zeit zur Rückkehr in die Türkei gezwungen worden seien.

Beraubt und geschlagen

Ein aufsehenerregender Fall ereignete sich vor etwa zwei Wochen bei Uzunköprü. Dort tauchten 14 Migranten auf. Die Männer aus Jemen, Palästina, Algerien und Marokko waren halbnackt. Sie berichteten, maskierte griechische Grenzpolizisten hätten ihnen ihre Oberbekleidung, Wertsachen und Handys abgenommen und sie dann unter Schlägen in die Türkei zurückgetrieben.

Nach Berichten türkischer Medien, die sich offenbar auf Angaben aus Polizeikreisen stützen, sollen in diesem Jahr etwa 4000 Migranten von griechischen Grenzpolizisten zur Rückkehr in die Türkei gezwungen worden sein. Auch griechische Hilfsorganisationen erheben Vorwürfe. Der Griechische Flüchtlingsrat (GCR) spricht in einem Bericht von „systematischen Pushbacks“. Weil die Flüchtlingslager auf den griechischen Ägäisinseln überfüllt sind und Neuankömmlinge dort oft länger als ein Jahr auf ihre Asylverfahren warten müssen, nehmen immer mehr Migranten den Weg über die Landgrenze und den Grenzfluss Evros. Nach Angaben der griechischen Behörden wurden dort vergangenes Jahr 5500 Menschen aufgegriffen. In diesem Jahr waren es bereits über 14 000.

Die Zahl der Grenzübertritte wäre noch viel größer, wenn die Türkei nicht die Kontrollen im Grenzgebiet verschärft hätte. Die türkischen Behörden hinderten nach eigenen Angaben in den ersten zehn Monaten 2018 fast 60 000 Migranten am Grenzübertritt nach Griechenland und Bulgarien.

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