Lade Inhalte...

Grenzkontrollen „Kontrollen reißen uns auseinander“

Hajo Gruber, Bürgermeister von Kiefersfelden, über die negativen Folgen von Markus Söders Idee mit der Grenzpolizei.

Kiefersfelden
In und um Kiefersfelden geht auf den Straßen häufig nicht so recht voran. Foto: Imago

Der oberbayrische Grenzort Kiefersfelden leidet seit Jahren unter Grenzkontrollen. Bürgermeister Hajo Gruber (Unabhängige Wählergemeinschaft) berichtet, wie sie den Alltag verändert haben. 

Wie haben sich die Grenzkontrollen auf das Leben in Kiefersfelden ausgewirkt?
Die Auswirkungen der Kontrollen beeinflussen unseren Alltag aufs Negativste. Sobald es einen Rückstau gibt, fahren viele von der Autobahn runter und durch Kiefersfelden. Wir haben hier teilweise stehenden Verkehr – vor allem an Skiwochenenden oder jetzt zu Ferienbeginn. Das beeinträchtigt den Handel, die Gastronomie – und vor allem das Leben im Ort.

Wie gelassen gehen die Bürger damit um?
Überhaupt nicht gelassen. Ich höre regelmäßig Beschwerden. Dieses Problem ist bei uns ständig Thema.

Haben die Kontrollen das Verhältnis mit den Nachbargemeinden in Österreich verändert?
Ja, haben sie. Wir sind mit unseren Tiroler Nachbarn eng zusammengewachsen, seit 1996 Schengen in Kraft trat. Ein Beispiel: Meine Kinder sind in Kufstein aufs Gymnasium gegangen. Ich musste früher die 30 Kilometer bis nach Rosenheim in die Schule fahren. Die Grenzkontrollen reißen uns wieder auseinander. Obwohl wir ja im selben Boot sitzen. Unsere Nachbarn haben dieselben Probleme. Wir versuchen gemeinsam, gegen die Grenzkontrollen vorzugehen. Aber die Entscheidung darüber treffen leider nicht die Kommunen.

Haben Sie gar kein Verständnis für Kontrollen?
Ich verstehe, dass der Staat nicht ohne Sicherheit funktioniert. Und dass es bei den Kontrollen wohl auch um ein höheres Sicherheitsgefühl der Bürger geht. Aber ich frage mich, ob das nicht nur reine Symbolpolitik ist. Jeder Schleuser weiß doch schließlich, dass die Autobahnen kontrolliert werden. Ich hoffe wirklich, dass Schengen irgendwann wieder gelebt wird. Die Flüchtlingszahlen sind doch inzwischen so gering – diese wenigen Aufgriffe dürfen für die Gemeinden in der Grenzregion nicht zu so einer großen Belastung werden. Wir hoffen, dass sich bald die Vernunft durchsetzt und die Kontrollen an die Außengrenzen des Schengenraums verlegt werden.

Interview: Katrin Woitsch

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen