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Grenze zu Mexiko Tijuana wird zum Pulverfass

1. UpdateTeile der Karawane aus Honduras haben die mexikanische Grenzstadt Tijuana erreicht. Dort droht eine humanitäre Katastrophe, auch weil US-Präsident Trump bei seinem harten Kurs gegenüber den Migranten bleibt.

Grenze zu USA
Mexikanische Polizisten sichern die Grenze, vor der 5.000 Migranten wie dieser achtjährige Junge warten. Foto: rtr

Während US-Präsident Donald Trump aus seinem Golfressort in Mar-a-Lago holprige Videobotschaften anlässlich Thanksgiving versendet, spitzt sich die Lage an der Grenze zwischen Mexiko und den USA zu. In der nordmexikanischen Grenzstadt Tijuana haben am Donnerstag hunderte Migranten aus Mittelamerika vor einem Grenzübergang in die Vereinigten Staaten von Amerika demonstriert.

Nachrichtenagenturen berichteten von einem Verkehrschaos an der Grenze. Über der Szenerie kreisten Hubschrauber und Drohnen. Zahlreiche Migranten weigerten sich, den Grenzübergang zu räumen und begannen mit dem Aufbau von Zelten direkt an der Grenze. Auf Videoaufnahmen sind zahlreiche Migranten zu sehen, die auf den Grenzzaun klettern. Mehrere Hundert mexikanische Grenzbeamte befanden sich im Einsatz. Insgesamt 100 Migranten wurden bislang festgenommen. „Sie sollen uns durchlassen“, sagte ein Demonstrant laut der Nachrichtenagentur AFP. „Wir sind verzweifelt, wir haben unsere Familien in Honduras gelassen. Wir müssen anfangen zu arbeiten.“

Tijuanas Bürgermeister erklärt humanitären Notstand

Tijuanas Bürgermeister Juan Manuel Gastelum erklärte den humanitären Notstand und forderte Hilfe der internationalen Gemeinschaft: „Ich werde kein Geld der Einwohner Tijuanas ausgeben“, sagte Gastelum gegenüber Medienvertretern vor Ort.

Auf der anderen Seite der Zäune sorgt die US-Regierung für eine Militarisierung der Grenze. US-Präsident Trump hatte bereits vor mehreren Wochen mehr als 5000 Soldaten entsendet, die gemeinsam mit Beamten des Heimat- und Grenzschutzes sowie regulären Polizisten die Grenze zu Mexiko sichern sollen. Hunderte der Soldaten und Polizisten haben nun eine gemeinsame Großübung abgehalten, an der auch mehrere Hubschrauber beteiligt waren. Mit der Übung wolle man sich auf einen möglichen Grenzsturm der Migranten vorbereiten, sagten Sprecher der Behörden und der US-Armee.

In Tijuana drohen Epidemien

Laut offiziellen Angaben befinden sich derzeit rund 4500 Migranten, zumeist aus Zentralamerika, in Tijuana. Eine ebenso hohe Zahl soll in den kommenden Tagen zusätzlich in der Stadt eintreffen, die bereits jetzt auf eine humanitäre Katastrophe zusteuert. Das Auffanglager Benito Juarez ist bereits überfüllt. Der heftige Regen weicht den Boden auf. Aufgrund der langen Reise sind viele Migranten erschöpft. Die Witterungsverhältnisse und die katastrophale Versorgungslage sorgen dafür, dass viele der Flüchtlinge erkrankt sind. Epidemien drohen sich auszubreiten.

Doch die USA bleiben bei ihrem harten Kurs gegenüber den Menschen auf der anderen Seite des Grenzzauns. Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen, die vor vier Wochen noch von Präsident Trump für ihren angeblich zu laschen Schutz der südlichen Grenze kritisiert worden war, hatte am Dienstag eine Pressekonferenz medienwirksam am Grenzzaun abgehalten. Dort hatte Nielsen erneut bekräftigt, dass man keinerlei illegale Einreise dulden werde. Die Grenzbefestigungen würde man mithilfe der US-Armee weiter verstärken. Die Teilnehmer der Karawane müssten sich wie alle Asylsuchenden an das geltende Prozedere halten.

Donald Trump droht, die Grenze zu schließen

Genau das hatte Trump zuvor zu verschärfen versucht. Per präsidentiellem Erlass wollte er nur noch legal eingereisten Menschen erlauben, Asyl in den USA zu beantragen. Der Erlass wurde von einem Bundesrichter in Kalifornien per einstweiliger Verfügung gestoppt, was Trump zu mehreren Schimpftiraden und Vorwürfen auf Twitter animierte.

Nun sendete er mit weiteren Drohgebärden ein klares Signal in den Süden. Man sei bereit, die Grenze zu Mexiko notfalls vollständig zu schließen, auch wenn das starke Einschnitte beim Handel bedeuten würde. Mexiko ist nach der Europäischen Union, China und Kanada der viertgrößte Handelspartner der USA. Sollten die Migranten nicht auf die Anweisungen der Soldaten und Behörden reagieren, seien diese befugt, zu schießen. „Falls sie tödliche Gewalt einsetzen müssen, dann werden werden sie das auch“, sagte Trump in Mar-a-Lago.

Mit der Drohung der Grenzschließung bringt Trump auch die mexikanische Bevölkerung gegen die Migranten aus den südlicheren Teilen Zentralamerikas auf. In Tijuana kam es zu mehreren Zusammenstößen von Demonstranten und der Polizei. Die Demonstranten forderten die Migranten aus der Karawane auf, wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren. (mit Agenturen)

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