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Globale Protestbewegung Der Aufstand der 99 Prozent

Sie nennen sich „Occupy Wall Street“ und demonstrieren gegen den Umgang mit der Finanzkrise. Am Samstag will die soziale Bewegung den Protest in die ganze Welt tragen.

Sie verabreden sich im Internet und protestieren gegen die wachsende soziale Ungleichheit – diese Demonstranten marschieren in New York vor der Filiale einer Bank nahe der Wall Street. Foto: DPA/JUSTIN LANE

Sven Giegold erkennt bereits die Entstehung einer neuen globalen Bewegung. „Erstmals seit den Protesten gegen den Irak-Krieg gelingt es, dass sich Basisbewegungen global zusammenschließen“, sagt der Grünen-Politiker, der bereits der Geburt einer anderen globalen Bewegung vor knapp einem Jahrzehnt beigewohnt hat: dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac.

Inzwischen sitzt der Finanzexperte Giegold im Europaparlament und findet die Forderungen nur zu nachvollziehbar, die die Bewegung „Occupy Wall Street“ und ihre internationalen Ableger nun formulieren: Börsen und Finanzinstitute stärker besteuern, die ungleiche Verteilung von Arm und Reich korrigieren sowie mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit.

Europaweiter Aktionstag

„Die Politik“, so heißt es in dem Aufruf zum europaweiten Aktionstag am morgigen 15. Oktober, „soll den 99 Prozent der Menschen in Main Street dienen, nicht dem einen Prozent in Wallstreet.“ Das Bündnis sieht sich als Stimme einer angeblichen schweigenden Mehrheit, deren Wünsche eine Politik vernachlässige, die sich ausschließlich den Finanzmärkten unterworfen hätte.

Am Samstag sollen die Menschen in ganz Europa auf die Straßen gehen und ihren Unmut über den Umgang mit der Finanzkrise äußern. „Die Menschen in New York haben uns gezeigt, was wir zu tun haben“, heißt es in einem Youtube-Aufruf zum Protestzug durch das Frankfurter Bankenviertel.

Um 12 Uhr beginnt die Demonstration an der Hauptwache, der Protestzug soll zur Europäischen Zentralbank führen, wo eine Kundgebung vorgesehen ist und die Möglichkeit für jeden Teilnehmer, sich am Mikrofon zu äußern. Unklar ist nach Angaben der Veranstalter noch, ob es im Anschluss an die Kundgebung ein Zeltlager geben soll, mit dem die Demonstranten ihre Forderungen untermauern wollen.

Der Aktionstag geht zurück auf die Proteste spanischer Jugendlicher im Frühsommer, die wochenlang als selbst ernannte Empörte gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die miese Bildungssituation und die Folgen der Finanzkrise in Madrid ausgeharrt hatten. Damals wurde die Idee für einen europaweiten Protesttag im Oktober geboren, die nun durch die Besetzung der New Yorker Wall Street seit 17. September zusätzliche Dynamik erhalten hat.

Mehrere tausend Teilnehmer werden nun am Samstag auch bei den verschiedenen Protestzügen in einigen deutschen Städten erwartet, neben Frankfurt sollen Berlin, Hamburg und Stuttgart eine wichtigere Rolle spielen.

Getragen wird der Protest von verschiedenen Bündnissen wie Attac, dem Zusammenschluss „Echte Demokratie Jetzt“, das seit längerem in mehreren deutschen Städten für mehr Bürgerbeteiligung demonstriert, und der obskuren Hacker-Gruppe „Anonymous“, die in ihrem Aufruf schreibt, es sei „Zeit, dem System zu zeigen, wessen Stimme zählt“.

Aus dem Internet zum Protest

Eine dieser Stimmen, wenn auch nicht der Kopf der deutschen Occupy-Bewegung, ist Wolfram Siener. Der blutjunge Mann mit dem braunen Lockenkopf durfte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung Maybrit Illner kräftig für die Aktion werben. Siener spricht von einer Aufklärungsbewegung. Der 20-Jährige ist überzeugt, dass sich der Protest, der sich bislang vor allem in den neuen Medien tummelt, am Wochenende tatsächlich auf die Straße verlagern und zu einem echten Protestbündnis vereinen wird.

Linke und Grüne unterstützen die Aktion, wollen dabei aber nicht in Erscheinung treten. Das scheint auch unerwünscht. Das Bündnis „Echte Demokratie Jetzt“ rät den Teilnehmern jedenfalls: „Wenn dich jemand fragt, wer hinter diesem Aufruf steht, weißt du was du antworten kannst: Ich – Weil es das ist, was wir brauchen, Menschen, die sich die Welt selbst wieder zu eigen machen, ohne Parteien, Gewerkschaften oder Gruppen, die ihnen sagen, was sie tun sollen, die sich einfach versammeln und ihre kollektive Intelligenz nutzen und beginnen darüber nachzudenken, was mit diesem Planeten zu machen ist.“

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