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Gipfeltreffen Afrika will chinesische Investoren

China ist der wichtigste Handelspartner des vom Westen chronisch vernachlässigten Kontinents. In diesem Jahr muss Afrika aber damit rechnen, dass die Wunschliste zusammengestrichen wird. Was Afrikas Staatschefs nun erreichen wollen: Dass chinesische Firmen ihre Produktion auf den Kontinent verlagern.

Haushaltsware: Made in China, verkauft in Senegal. Foto: REUTERS

Chinesisch-afrikanische Gipfeltreffen glichen in der Vergangenheit fröhlichen Zusammenkünften mit allseits zufriedenen Gesichtern, in denen immer neue Rekorde bekanntgegeben wurden. Afrikanische Staatschefs reisten mit langen Wunschlisten nach Peking, die der große Bruder im Reich der Mitte mit immer gewaltigeren Versprechen beantwortete.

China renovierte Afrikas Eisenbahnnetz, baute Straßen und errichtete Stadien und Krankenhäuser: Die dafür nötigen Kredite wurden mit der Lieferung von Bodenschätzen beglichen. Längst ist China der wichtigste Handelspartner des vom Westen chronisch vernachlässigten Kontinents: Der Güteraustausch zwischen dem Reich der Mitte und der einstigen Spielwiese für Kolonialisten wuchs in den vergangenen 15 Jahren um weit über das Zwanzigfache auf heute mehr als 220 Milliarden Dollar.

In diesem Jahr, in dem das Forum für Chinesisch-Afrikanische Zusammenarbeit (Focac) erstmals auf afrikanischem Boden in Johannesburg stattfindet, wirken die Gesichter der dunkelhäutigen Staatschefs allerdings gequält.

Die Produktion verlagern

Erstmals müssen die Repräsentanten von 51 Nationen (nur die vier afrikanischen Kleinstaaten Swasiland, Sao Tomé, Gambia und Burkina Faso unterhalten noch Beziehungen mit Taipeh statt Peking) damit rechnen, dass ihre Wunschliste drastisch zusammengestrichen wird, denn die jüngste ökonomische Unwucht in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat auch die „Süd-Süd-Partnerschaft“ beeinträchtigt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gingen sowohl Chinas Importe aus Afrika wie seine Direktinvestitionen dorthin dramatisch zurück – um über 40 Prozent. Die Turbulenzen in den Beziehungen führten den afrikanischen Regierungen ihre Abhängigkeit vom Großen Bruder vor Augen: Vor allem jene Staaten, die wie Nigeria und Angola noch zusätzlich vom Verfall des Ölpreises gebeutelt wurden, wandten sich um Kapitalhilfe bittend an den asiatischen Tiger – und wurden enttäuscht.

Gambia, dessen Staatseinnahmen zu 60 Prozent vom Export des plötzlich fast um die Hälfte verbilligten Kupfers vor allem nach China abhängen, musste die Austeritätsbremse ziehen und sah seine Währung, den Kwacha, um 45 Prozent fallen. „Wir müssen andere Produkte finden, die wir nach China exportieren können“, sagte Handelsministerin Margaret Mwanakatwe.

Afrika verschifft vor allem Rohstoffe nach Asien, während aus Asien fertige Produkte kommen: Kleider, Schuhe und Haushaltswaren, immer häufiger auch Autos, elektrische Geräte und Maschinen. Afrikas Textilindustrie wurde von den billigen chinesischen Importen ein Schlag nach dem anderen versetzt. Zur dringend nötigen Industrialisierung des Kontinents hat der asiatische Partner bislang nichts beigetragen. Zwar leben inzwischen weit mehr als eine Million Chinesen in Afrika. Doch sie betreiben oft nur Import-Exportfirmen, Einzelhandelsgeschäfte oder Restaurants, die kaum Arbeitsplätze schaffen.

Was Afrikas Staatschefs nun erreichen wollen: Dass chinesische Firmen ihre Produktion auf den darbenden Kontinent verlagern. Das scheint ökonomisch sinnvoll zu sein: Denn in China werden die Arbeitskräfte zunehmend teurer, und die Wege zum lukrativen europäischen Markt sind aus Afrika kürzer.

In Äthiopien produzieren Chinesen bereits Schuhe und in Lesotho Kleider für den US-Markt. Experten warnen allerdings vor Euphorie. Denn Peking kann zwar seine Staatsbetriebe zum Eisenbahnbau nach Afrika beordern: Doch dass sich ein chinesischer Textilfabrikant tatsächlich für Afrika entscheidet, darauf hat Peking nur wenig Einfluss.

Um die Gesichter in Johannesburg wieder etwas aufzuhellen, hat Präsident Xi Jinping gestern in Johannesburg Neuinvestitionen in Afrika in Höhe von 60 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre versprochen: Darunter sollen auch Anschubkredite für chinesische Industriebetriebe sein.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier China

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