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Gewalt gegen Lehrer Tatort Schule

Die Landeskriminalämter verzeichnen mehr Fälle von physischer und psychischer Gewalt in den Schulen.

Jugendgewalt
„Schule ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, kommentiert der Verband für Bildung und Erziehung. Foto: imago

In den vergangenen Jahren sind an Deutschlands Schulen mehr Fälle von Kriminalität und Gewalt verzeichnet worden. Das geht aus Lagebildern zum Tatort Schule der Landeskriminalämter hervor, wie die „Welt am Sonntag“ berichtete. Demnach verzeichnen Statistiken in allen Bundesländern von 2013 an oder später einen Anstieg in den Kategorien physischer und psychischer Gewalt.

„Wenn in der Gesellschaft Dinge schieflaufen, spiegelt sich das auch unmittelbar an den Schulen wider. Kinder leben ja nicht in einer anderen Welt als die Erwachsenen“, sagte dazu der Chef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, der FR. Die Lehrergewerkschaft hatte im Mai eine repräsentative Forsa-Umfrage veröffentlicht, für die 1200 Schulleiterinnen und Schulleiter befragt worden waren. 

Das Ergebnis: In den vergangenen fünf Jahren gab es an jeder vierten Schule körperliche und an jeder zweiten psychische Gewalt gegen Lehrer. Beckmann betont: „Gewalt von Schülern, aber auch von Eltern gegenüber Lehrkräften ist ein echtes Problem – es geht nicht nur um Einzelfälle, wie die Politik uns manchmal weismachen will.“

Generell ist es schwierig, das Thema Kriminalität und Gewalt an der Schule mit konkreten Zahlen zu unterfüttern. In der Polizeilichen Kriminalstatistik ist der Tatort Schule nicht einzeln erfasst. Auch die Jugendkriminalität ist zumindest bis zum Jahr 2016 gesunken. Aber wie könnte das diejenigen unter den Lehrern trösten, die in ihrem Alltag etwas vollkommen anderes erleben?
Präziser als die Kriminalstatistik geben die Lagebilder zum Tatort Schule Auskunft, die von den einzelnen Landeskriminalämtern erstellt werden. Sie können je nach Bundesland etwas anders gestaltet und von unterschiedlicher Qualität sein. Aber sie erfassen die gemeldeten Straftaten in der Schule, auf dem Schulhof und oft auch auf dem Schulweg.

Laut „Welt am Sonntag“ verzeichneten die Lageberichte zum Tatort Schule in zehn Bundesländern mehr gemeldete Straftaten, in allen stieg die Zahl der Fälle physischer und psychischer Gewalt. Dramatisch sei vor allem der Anstieg bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung: plus zehn Prozent in Nordrhein-Westfalen, 21 Prozent in Hessen und 39 Prozent in Sachsen-Anhalt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Meldungen über „schwere körperliche Gewalt“ im Berliner Lagebericht seien zwischen 2012 und 2016 sogar um 69 Prozent gestiegen. 

Grundsätzlich müssen Zahlen zur Kriminalität, auch und gerade an Schulen, vorsichtig interpretiert werden. Der Kriminologe Christian Pfeiffer weist immer wieder darauf hin, dass der Anstieg von Fallzahlen auch an einem veränderten Anzeigenverhalten liegen könne. Auch VBE-Chef Beckmann räumt ein, dass dies eine mögliche Erklärung sei. Er sagte der FR: „Gewalt gegen Lehrkräfte war lange ein Tabuthema.“ Dieses Tabu breche, auch dank der Arbeit der Lehrergewerkschaft, langsam auf. „Entscheidend ist aber: Es gibt ein wirkliches Problem, dem die Politik sich stellen muss.“

In der im Mai vom VBE veröffentlichten Forsa-Umfrage hatte jede zehnte Schulleitung angegeben, dass Lehrer nach einem Gewaltvorfall nicht ausreichend unterstützt werden konnten. In solchen Fällen zeigten sich die Schüler oft uneinsichtig. Aber auch die Eltern ließen nicht selten die Bereitschaft vermissen, mit der Schule gemeinsam auf ein anderes Verhalten hinzuwirken, sagten die Schulleiter. Zu hören war auch die Klage, dass sich das zuständige Kultusministerium des Themas nicht ausreichend annehme.

Der VBE-Chef fordert jetzt erneut, dass die Politik das Problem ernst nehme – und für eine Lösung auch zusätzliches Geld in die Hand nehme. „Die Schulen sind mit vielfältigen Problemen konfrontiert, haben dafür aber eine viel zu geringe Personalausstattung“, sagte er. „Wir brauchen mehr Lehrer. Aber die Lehrer brauchen auch mehr Unterstützung durch andere Fachkräfte wie Schulpsychologen und Sozialarbeiter.“

Der Lehrergewerkschaft geht es auch darum, dass junge wie erfahrene Lehrer besser auf schwierige Situationen vorbereitet werden. „Der Umgang mit Gewalt und Konfliktsituationen muss besser in die Ausbildung integriert werden“, sagte Beckmann. „Und: Wir brauchen dringend mehr gute Weiterbildungsangebote.“

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