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Getötete Journalisten „Ihr Mut kostete viele das Leben“

Der Autorenverband PEN schafft mit seiner Aktion Öffentlichkeit für die unter Lebensgefahr recherchierenden Journalisten in Mexiko. Ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten des deutschen Verbands.

Demonstrantin
Demonstration gegen die Gewalt gegen Journalisten in Mexiko-Stadt. Foto: rtr

Herr Feuchert, warum lenkt der PEN den Blick auf Mexiko?
Weil es in Europa so gut wie nicht bekannt ist, dass dort – und in anderen latein- und südamerikanischen Ländern – Journalisten und Autoren so massiv bedroht sind wie nirgendwo sonst auf der Welt. Und wir müssen dringend etwas dafür tun, wenigstens Aufmerksamkeit für dieses Problem zu erzeugen.

Außer in Krisen- und Kriegsgebieten wie Syrien kommen besonders in Lateinamerika viele Journalisten und Blogger ums Leben – in formal demokratischen Staaten. Warum?
Das größte Problem ist das organisierte Verbrechen, das diese Länder geradezu beherrscht. Durch Korruption und intensive Verbindungen mit der Mafia sind dann auch viele staatliche Institutionen schon lange nicht mehr wirklich willens, die Kollegen effektiv zu beschützen. Als Journalist zu arbeiten und dann auch noch über das organisierte Verbrechen zu recherchieren, ist lebensgefährlich, viele Journalisten haben ihren Mut bereits mit dem Tod bezahlt oder müssen dauerhaft von Personenschützern bewacht werden. Wir gehen davon aus, dass seit 2000 mindestens 80 Medienschaffende ermordet wurden, weitere wurden entführt oder sind verschwunden. Kaum ein Täter wurde für diese Verbrechen bestraft. 

Wer kann die Autoren schützen, wenn es der Staat nicht kann?
Die Staaten könnten es ja und behaupten auch immer wieder öffentlich, sie täten, was sie könnten. Das entspricht aber eben nicht der Wahrheit. Das Einzige, das wir vom PEN im Moment tun können, ist auf die Kollegen aufmerksam zu machen, ihnen eine gewisse Öffentlichkeit zu verschaffen oder in dem einen oder anderen Fall auch ein Leben im Exil zu ermöglichen, wie wir es etwa für Ana Lilia Pérez zwischen 2013 und 2014 getan haben. Sie musste ihr Land vorübergehend verlassen, weil sie die Verflechtungen zwischen der Politik, großen Firmen und der Drogen-Mafia aufgedeckt hatte. Mittlerweile lebt und arbeitet sie wieder in Mexiko – unter Lebensgefahr.

Wo leben Journalisten momentan besonders gefährlich?
Es sind eben diese Länder Lateinamerikas, wo wir die meisten Todesfälle zu beklagen haben. Darüber hinaus ist es aber natürlich immens gefährlich für Autoren in China, Vietnam oder in afrikanischen Ländern.

Interview: Elena Müller

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