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Gesetze Die Grenzen der sexuellen Selbstbestimmung

In Deutschland sind sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren strafbar, mit 16-Jährigen nicht. Anders sieht es im US-Bundesstaat Idaho aus.

16.08.2011 22:20
Von Sven Altenburger

Würde Christian von Boetticher im US-Bundesstaat Idaho und nicht im Bundesland Schleswig-Holstein leben, sähe er sich derzeit wohl mit einer Klage wegen Vergewaltigung konfrontiert. Jegliche sexuelle Handlungen mit weiblichen Partner unter 18 Jahren fallen dort unter diesen Straftatbestand.

Aber Herr von Boetticher lebt in Deutschland und dort liegt das sogenannte Schutzalter – also die Altersgrenze, ab der eine Person als einwilligungsfähig bezüglich sexueller Handlungen angesehen wird – üblicherweise bei 14 oder 16 und nur in bestimmten Fällen bei 18 Jahren. Während sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren prinzipiell verboten sind, fallen sexuelle Handlungen von mindestens 21 Jahre alten Erwachsenen mit Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren dann unter Strafe, wenn im Einzelfall eine „fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung“ festgestellt werden kann.

Das höchste Schutzalter von 18?Jahren ist nur relevant, wenn Zwangslagen ausgenutzt werden, es sich um bezahlten Sex handelt oder der Jugendliche zum Täter in einem Abhängigkeitsverhältnis steht – beispielsweise im Rahmen der Erziehung oder eines Arbeitsverhältnisses.

Im Europäischen Vergleich zählt die Regelung in Deutschland zu den liberaleren. In Spanien liegt das Schutzalter mit 13 Jahren am niedrigsten, während in der Türkei oder auf Malta ähnlich strikte Verhältnisse herrschen wie im US-Bundesstaat Idaho.

Dass derartige Bestimmungen auch immer wieder angepasst und verändert werden, zeigte sich zuletzt im November 2008. Damals wurden die deutschen Gesetze geändert – als Umsetzung eines EU-Rahmenbeschlusses zum besseren Schutz Jugendlicher vor sexueller Ausbeutung.

Da die ursprünglich hierfür vorgesehene Fassung möglicherweise auch jede normale Annäherungen unter Jugendlichen kriminalisiert hätte, zog die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) den Zorn von Opposition, Jugendverbänden und Sozialwissenschaftlern auf sich. Die deutsche Gesellschaft für Sexualforschung sah in einer Stellungnahme zur Sexualstrafrechtsreform eine repressive Sexualmoral am Werk, importiert aus den USA.

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