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Gescheitertes Attentat in New York Der Sohn des Luftmarschalls

Spurensuche nach dem Attentat auf dem Times Square: Der verhinderte Attentäter hatte in Pakistan alle Chancen, er war privilegiert. In den USA ging ihm dann das Geld aus. Von Willi Germund und Dietmar Ostermann

06.05.2010 00:05
Willi Germund und Dietmar Ostermann
In diesem Haus in Shelton lebte Shahzad mit seiner Familie. Foto: dpa

Viel privilegierter als der 30-jährige Faisal Shahzad kann man in Pakistan kaum aufwachsen. Vater Bahar ul-Haq, ein früherer Luftmarschall und in den 90er Jahren stellvertretender Direktor der Zivilluftfahrt des Landes, besitzt eine jener mittelgroßen Villen im Hayatabad-Viertel der Grenzstadt Peshawar, die hohe Offiziere der pakistanischen Sicherheitskräfte sich gerne auf billig bereitgestelltem Land bauen. Der Onkel des in den USA verhafteten Shahzad bekleidete hohe Posten bei der Polizei der Grenzprovinz zu Afghanistan und war Generalinspekteur der paramilitärischen Grenztruppen vom "Frontier Corps".

Shahzad selbst, der nach dem fehlgeschlagenen Anschlag auf dem Times Square in New York verhaftet wurde, gehört zu den "goldenen Jungs" Pakistans, die dank guter Verbindungen ihrer Väter in Uniform alle Privilegien haben. In Pakistan sind familiäre Beziehungen die zweitwichtigste und militärischer Hintergrund die wichtigste Qualifikation.

Shahzad konnte bereits seit 2001 häufig in die USA reisen und hat an US-Universitäten Informatik studiert. Er ist zugleich der erste Abkömmling der pakistanischen Militärkaste, der wegen Terroraktivitäten verhaftet wurde. Aber er gehört auch zu der Gruppe junger, gut ausgebildeter Pakistaner, die immer häufiger bei radikalen islamischen Gruppen zu finden sind. Schon ab dem ersten Schultag lernen Pennäler das landesübliche Urdu-Alphabet entlang konservativer islamischer Prinzipien. Der "Heilige Krieg" gilt als Ideal. Gemäß dem offiziellen Leitfaden des Erziehungsministeriums bringen Lehrer ihren Schülern bei, dass Christen im Westen und Hindus in Indien "natürliche Feinde" des Islam sind.

Möglich also, dass Shahzads Radikalisierung schon in Pakistan begann - möglich aber auch, dass er am Ende durch finanzielle Probleme in den USA auf die schiefe Bahn geriet. 2005 hatte er einen Wirtschaftsabschluss an der Uni von Bridgeport gemacht und in der Folge dort jahrelang unauffällig mit seiner Familie in einer Mittelklasse-Siedlung gelebt. Vorigen April wurde er sogar eingebürgert.

Im US-Immobilienboom 2004 hatte die Familie ein Haus gekauft. Seit 2006 aber versuchte sie vergeblich, es zu verkaufen. Kurz bevor Shahzad im Juni 2009 seinen Job bei einer Marketing-Firma kündigte und mit der Familie nach Pakistan reiste, wurde die Immobilie von der Chase-Bank zwangsvollstreckt.

Zurück in Pakistan, soll der 30-jährige Generalssohn nach Angaben der US-Fahnder in der Region Kohat von Waziristan einen Schnellkurs im Bombenbasteln absolviert haben. Das ist durchaus plausibel, denn wer wie Shahzad in Peshawar aufwächst, kann leicht Kontakte knüpfen zu entsprechenden Kreisen in der unterentwickelten Grenzregion zu Afghanistan. Das Gebiet wird weitgehend von einem gewissen Tariq Afridi kontrolliert. Er gilt als Kommandeur der radikalislamischen Talibanmilizen. Der Afridi-Stamm ist jedoch auch für seine Verwicklungen in das Drogengeschäft bekannt. In Waziristan verstecken sich zudem Teile der Terror-Organisation El Kaida.

Den US-Behörden zufolge behauptet Shahzad in den Vernehmungen, er habe allein gehandelt. Pakistans Behörden verhörten seinen Schwiegervater in der Hafenstadt Karachi und offenbar auch seine Ehefrau, die mit den zwei Kindern nun dort lebt. Bislang weiß man nur, dass Shahzad während seines letzten, fünfmonatigen Aufenthalts nach Peshawar reiste. Ob sein Vater Verbindungen zu Extremisten hatte, ist unbekannt. Auszuschließen ist es wegen der traditionell engen Verbindungen zwischen pakistanischen Militärs und Taliban nicht.

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