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Generika „Apotheke für Arme“ in Gefahr

Indien beliefert Entwicklungsländer mit günstigen Medikamenten. Die Umsetzung des Acta-Abkommens könnte die Situation jedoch verschärfen.

Für Aidskranke in der dritten Welt sind die Medikamente zu teuer. Foto: dpa

Sollte das Acta-Abkommen so umgesetzt werden, wie es der bekanntgewordene Vertragsentwurf vorschlägt, sehen medizinische Hilfsorganisationen erhebliche Probleme für die Behandlung von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Schon heute erschweren Patentrechte auf bestimmte Medikamente die Versorgung von Aids-Kranken in armen Regionen.

Mehrfach im Jahr beschlagnahmen Zollfahnder in europäischen Häfen oder Airports Medikamentenlieferungen aus Indien, die Europa nur im Transitbereich passieren und nach Simbabwe oder Malawi gebracht werden sollen. Aktuell hängen fünf Millionen Menschen in Afrika, die an einer Aids-Therapie teilnehmen, von indischen Generika ab.

Generika sind nachgeahmte Medikamente teurer Originalpräparate. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen versorgt rund 160000 Patienten mit den Mitteln aus Indien, erläutert ihr Sprecher Oliver Moldenhauer. Aus logistischen Gründen müsse die Organisation die indischen Medikamente über zwei Zentren in Europa nach Afrika transportieren, dabei laufe sie Gefahr, dass die Medikamente beschlagnahmt werden.

Vorwurf der Markenfälschung

Der Zugriff des Zolls passiere auf der Grundlage des Vorwurfs der Markenfälschung: Viele Medikamente haben ähnliche Namensteile, wie zum Beispiel die Silbe „vir“ bei Aids-Medikamenten. Der Entwurf zum Acta-Abkommen würde die Situation weiter verschärfen: Er unterscheidet nicht zwischen gefälschten Produkten und Generika, die völlig legale Medikamente sind.

Manche Generika sind eben nur für einige Weltgegenden bestimmt und dürfen zum Beispiel in Deutschland nicht verkauft werden. Dank der „Apotheke für Arme“, wie Indien gelegentlich genannt wird, kann ein Aids-Kranker in Afrika für 67 Dollar pro Jahr behandelt werden – mit einem Medikamentencocktail, der in Deutschland jährlich 14400 Euro kosten würde.

Selbstverständlich wehren sich Länder wie Indien, China und Brasilien gegen das Acta-Abkommen nicht nur aus moralischen Gründen, sondern auch weil deren Pharma-Branchen mittlerweile Milliarden-Gewinne machen. Die Nachahmer aus Indien sind zu Konkurrenten der westlichen Forschung geworden.

Hilfsorganisationen wie Medico International oder Ärzte ohne Grenzen halten die bisherigen Versuche, den Arzneimarkt zu regeln, für falsch: „Besser wäre es, von Indien eine Pauschalzahlung zu verlangen oder sie zu verpflichten, ihre Forschung öffentlich zu machen“, sagt Ärzte ohne Grenzen-Sprecher Moldenhauer. Vermutlich fürchteten westliche Pharma-Konzerne aber, dass früher oder später auch sie ihre Forschung transparenter machen müssten.

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