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Studie Das bisschen Haushalt

Hausarbeit bleibt weiter „Frauensache“. Die OECD will veränderte Prioritäten.

Hausarbeit
Insgesamt übernehmen immer noch fast zwei Drittel der Mütter die Hausarbeit und die Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen. Foto: imago

Mehr Kitaplätze und die Inanspruchnahme des Elterngeldes von Vätern – das sind nur zwei Beispiele, dass in der vergangenen Zeit in Deutschland einige Stellschrauben verändert wurden, um bezahlte und unbezahlte Arbeit zwischen Eltern gleichmäßiger aufzuteilen. Doch in Deutschland sind immer noch weniger Mütter erwerbstätig (70 Prozent im Jahr 2014) als etwa in Dänemark oder Schweden, wo 82 Prozent einem Beruf nachgehen. Das geht aus einer Studie der OECD zum Thema Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf in Deutschland hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Sie kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass die bestehenden politischen Instrumente wie die Kinderbetreuung oder das Elterngeld weiter entwickelt werden müssen und auch das Steuer- und Transfersystem angepasst werden muss. Mehr Arbeit muss sich lohnen, so das Ergebnis der Studie.

Mit Fristen bei der Arbeit, zahlreichen Terminen der Kinder, Haushalt und Familienleben ist der Balanceakt für Eltern immer noch immens, sagte OECD-Sozialexpertin Monika Queisser. In Deutschland heißt das konkret: Mit 39 Prozent arbeiten überdurchschnittlich viele Mütter in Teilzeit und mit 20 Stunden pro Woche ist ihre Arbeitszeit relativ kurz. Nur in den Niederlanden und in Österreich ist die Teilzeitquote unter Müttern noch höher, aber: „Dort gibt es generell eine andere Teilzeitkultur“, sagte Queisser. In diesen Ländern würden auch mehr Männer weniger Stunden pro Woche arbeiten.

Innerhalb Deutschlands gibt es indes immer noch Unterschiede in der Akzeptanz von Vollzeit arbeitenden Müttern: So sind die Bürger in den neuen Bundesländern demgegenüber aufgeschlossener als in den alten Ländern. Dort finden es mehr Bürger in Ordnung, wenn Mütter in Teilzeit arbeiten gehen. „Die hohe Teilzeitquote bei Müttern zeigt, dass eine wirklich ausgeglichene Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit innerhalb von Familien noch nicht die Regel ist“, mahnte Queisser. Dies schwäche nicht nur die Stellung von Frauen, auch wirtschaftliche Potenziale blieben so ungenutzt.

Insgesamt übernehmen immer noch fast zwei Drittel der Mütter die Hausarbeit und die Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen. In Ländern wie Finnland oder Norwegen ist die unbezahlte Arbeit zwischen den Partnern gerechter verteilt. Dort sei die Kinderbetreuung noch besser ausgebaut und qualitativ hochwertiger, wie Monika Queisser bestätigte. Die Studie zeigt nämlich: Je mehr Eltern bezahlt arbeiten gehen, desto ausgewogener teilen sie die unbezahlte Arbeit untereinander auf.

Die Politik in Deutschland habe viel getan, um die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt zu stärken – auch wenn sie Kinder hat, lobte Queisser. Das müsse weiter entwickelt werden. Auch müsse es noch selbstverständlicher werden, dass Väter Elterngeld in Anspruch und damit eine Auszeit vom Job nehmen. Ohne veränderte Prioritäten in der Gesellschaft blieben alle Angebote wirkungslos. Politik, Unternehmen oder Gewerkschaften müssten diesen Wertewandel begleiten und ausreichend Möglichkeiten schaffen, die Eltern in ihren Entscheidungen zu unterstützen.

Dazu gehört laut Queisser auch ein Anspruch auf Rückkehr in Vollzeitarbeit nach einer Verringerung der Arbeitszeit wegen der Familie und dass die Kinderbetreuung weiter ausgebaut und vor allem flexibilisiert werde.

„Die Einstellung ändert sich dann, wenn die Eltern denken, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind, wenn sie arbeiten gehen und sie nicht das Gefühl haben, sich selbst kümmern zu müssen“, sagte OECD-Sozialexpertin Queisser.

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